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NWZonline.de Nachrichten Politik

Ein schwedischer Provokateur

15.02.2015

Kopenhagen Lars Vilks hat starke Nerven. Als das Terrornetzwerk Al-Kaida im September 2007 ein Kopfgeld von 150 000 Dollar auf den schwedischen Kunstprofessor aussetzte, schaute der sich gerade die Kasseler documenta an. Die Drohung wegen seiner Zeichnung des Propheten Mohammed als Hund ließ Vilks damals kalt. „Was könnte man sich beim heutigen Dollarkurs schon für meinen Kopf kaufen?“, scherzte er.

Eigentlich war die umstrittene Zeichnung für eine Ausstellung über den „Hund in der Kunst“ vorgesehen. Die Ausstellungsmacher zogen das Bild aber unmittelbar vor Eröffnung der Schau im Juli 2007 zurück. Wenig später druckte die schwedische Zeitung „Nerikes Allehanda“ die Karikatur als Illustration zu einem Leitartikel über Selbstzensur und Religionsfreiheit ab.

Damit habe er auf die „künstliche Zurückhaltung“ von Künstlern vor religiösen Tabus hinweisen wollen, sagte der heute 68-jährige Künstler damals. In der Folge flammten erneut Proteste in der islamischen Welt auf, wenn auch nicht so heftig wie 2005, als der dänische Zeichner Kurt Westergaard seine Mohammed-Karikaturen in der Zeitung „Jyllands-Posten“ veröffentlicht hatte.

Lars Vilks provoziert gerne in jede Richtung. Als Kritiker damals meinten, er würde ja auch nicht die Zeichnung einer „Judensau“ veröffentlichen, tat Vilks das postwendend. Und genauso heftig schlug er in zahllosen Debatten verbal auf die seiner Meinung nach herrschende Unterdrückung künstlerischer Freiheit durch die katholische Kirche in Polen ein.

Vilks, der seit Jahren unter Polizeischutz steht, ist bereits mehrfach Ziel von Extremisten geworden. Im Mai 2010 warfen zwei Männer Benzinflaschen durch ein Fenster in sein Haus, während einer Vorlesung an der Universität Uppsala wurde er von einem Zuschauer angegriffen und leicht verletzt. „Ich erhalte ständig Drohungen per Mail und Telefon“, sagte er in einem Interview. Als der Attentäter von Kopenhagen am Samstagabend das Feuer auf eine Diskussionsveranstaltung mit Vilks eröffnete, brachte er sich in einer Kühlkammer in Sicherheit.

Als Schwedens Hauptstadt Stockholm im Dezember 2010 nur knapp einer verheerenden Terrorkatastrophe entging, war zuvor eine Drohmail eingegangen. Darin wurde der Einsatz schwedischer Soldaten in Afghanistan verurteilt - und „das Schweigen des schwedischen Volkes“ zur Mohammed-Karikatur von Vilks.

Im Januar 2014 schließlich wurde in den USA die zum Islam konvertierte Colleen LaRose alias „Dschihad Jane“ zu zehn Jahren Haft verurteilt, weil sie zusammen mit islamistischen Verschwörern ein Mordkomplott gegen Vilks geplant hatte. LaRose war dazu 2008 nach Europa gereist, aber ein Treffen mit den Drahtziehern der Verschwörung kam nicht zustande.

Als Künstler ist Vilks vor allem durch die riesige Holzinstallation „Nimis“ aus Treibholz auf der Halbinsel Kullaberg in Südschweden bekannt. Aus Solidarität mit dem trotzigen Schweden kaufte der deutsche Künstler Joseph Beuys 1986 „Nimis“. Später gehörte die Skulptur dem Verpackungskünstler Christo.

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