Ganderkesee - Die sogenannte „Rennpappe“, wie der Trabant auch genannt wird, erfreute sich zu DDR-Zeiten großer Beliebtheit. Das bestätigte auch Brigitte Witte, Gleichstellungsbeauftragte und Programmbereichsleiterin in der regioVHS Ganderkesee-Hude, deren erstes Auto ein hellblauer Trabant war.
Den Führerschein in der Tasche fuhr die damals 26-Jährige mit dem Zweitakter so weit sie durfte. Bekommen hatten sie und ihr Ehemann das gebrauchte Modell 1977 durch Kontakte. „Damals war es sehr schwer, an Autos heranzukommen, denn es gab einfach zu wenige“, berichtet Witte, die gebürtig aus Eisenhüttenstadt kommt. Etwa 4000 Mark hatte sie für den gebrauchten Trabant bezahlt.
„Wir sind mit dem Auto immer in den Urlaub gefahren, ganz gleich ob nach Bulgarien oder Ungarn“, sagt sie. Sehr häufig musste der Trabant auf solchen Fahrten auch als „Packesel“ herhalten.
„Ungarn war unser Westen in der DDR“, erinnert sich Witte. „Wir haben dort Jeans, Turnschuhe und Käse gekauft“, berichtet sie mit einem Schmunzeln im Gesicht.
Dabei habe ihr das Innenleben des Trabis überhaupt nicht gefallen. „Der sah von innen unmöglich aus“, sagt sie. Aus diesem Grund hatte sie sich in Ungarn Jeansstoff besorgt und damit Schonbezüge für die Sitze angefertigt „mit roten Nähten und Knöpfen“, sagt die 60-Jährige lächelnd.
Passend zu diesem Jeansbezug war auch der Kindersitz für Wittes Tochter aus blauem Stoff mit weißen Punkten versehen.
Nach zwei Jahren, 1979, war dann Schluss mit dem Fahrspaß. „Wir haben das Auto weiterverkauft, da wir einen Lada in Aussicht hatten.“ Das sei zu DDR-Zeiten so üblich gewesen.
Ab 1957 wurde der Trabant vom VEB Automobilwerk Zwickau und VEB Sachsenring Automobilwerke Zwickau angefertigt. Insgesamt wurden bis 1991 gut drei Millionen Fahrzeuge dieser Baureihe hergestellt.
Witte fährt aktuell einen schwarzen Mercedes-Benz SLK. „Dennoch möchte ich die Erfahrungen mit meinem ersten Auto, dem Trabi, nicht missen“, sagt sie abschließend.
