Essen - Die Bürgermeisterwahl in Essen hat eines, was viele andere Bürgermeisterwahlen oft nicht haben: Auswahl. Drei Kandidaten sind im Rennen, drei Männer, die Erfahrung mit dem politischen Geschäft haben. Einer von ihnen ist Detlef Kolde, 54 Jahre alt, Polizist, verheiratet, Vater von zwei Töchtern und durch und durch überzeugter Sozialdemokrat.
Sein Entschluss, sich tatsächlich zur Wahl aufstellen zu lassen, kam spät, musste reiflich überlegt werden, erläutert er im Gespräch mit der NWZ. Lange hatte seine Partei einen passenden Kandidaten gesucht, ein paar Bewerber gab es, schlussendlich überzeugten ihn seine Mitstreiter, dass er der beste Kandidat sei. Er sagte zu und steht nun mit Clemens Große Macke (CDU) und Heiner Kreßmann (parteilos) im Rennen.
Dass gleich mehrere Bewerber fürs Amt antreten, freut Kolde. „Für die Wähler ist es eine tolle Sache, drei Kandidaten zur Auswahl und damit eine richtige Wahl zu haben“, sagt der 54-Jährige. Das sei richtige Demokratie, das mache Spaß.
Er verhehlt nicht, dass ihn der Disput in der CDU, der Austritt Kreßmanns und die bei manchen Christdemokraten umstrittene Nominierung von Große Macke nicht ungelegen kommen. Dennoch ist er überzeugt, dass alle drei Kandidaten für den Job geeignet sind. Schlussendlich möchte aber er den Chefsessel, nicht zuletzt, weil ihm die Ortskernsanierung am Herzen liegt.
Der Ortskern, so sagt der 54-Jährige, muss attraktiver, zu einem schöneren Arbeits- und Wohnumfeld umgestaltet werden. Er plädiert für die Einführung einer Abrissprämie, damit alte, nicht denkmalgeschützte Gebäude Neubauten weichen. „Auch die Straße muss neu gestaltet werden, mehr Grün, Parkbuchten“, zählt er auf. Durch bauliche Veränderungen an der Straße könne auch das Tempo gedrosselt werden.
Keineswegs drosseln, sondern Gas geben will der Sozialdemokrat in Sachen Grundschulsanierung. „Wir sprechen seit Jahren darüber“, erläutert Kolde. Passiert sei nichts. „Wir müssen das in Angriff nehmen.“ Ebenso möchte er „in Angriff nehmen“, dass in der Gemeinde Essen Eltern künftig nicht mehr für Krippen- und Kindergartenplätze zahlen müssen – auch nicht bei kirchlichen Trägern. Das Projekt brauche Zeit, könne nicht von heute auf morgen umgesetzt werden, aber wirtschaftlich sei es möglich, schließlich sei Essen eine finanziell starke Gemeinde und könne die Kosten tragen.
Damit Essen wirtschaftlich stark bleibt, möchte der 54-Jährige die gute Zusammenarbeit mit den Unternehmen fortsetzen, sich aber trotzdem weiterhin für eine Verbesserung der Situation von Werkvertragsarbeitern stark machen. Der „Runde Tisch“, der vor zwei Jahren ins Leben gerufen und unter anderem mit Vertretern der Schlachtbranche und der Gemeinde besetzt worden war, sollte seiner Ansicht nach wiederbelebt werden. Einen ähnlichen Austausch möchte der Bürgermeisterkandidat zwischen Schweinehaltern und Schlachtbetrieben initiieren.
Neben weiteren Projekten hängt Kolde der Erhalt der alten Essener Windmühle am Herzen. „Sie zerfällt zunehmend“, bedauert er. Es sei zu beraten, ob es nicht sinnvoll wäre, die Mühle oder aber auch das gesamte Gelände zu kaufen, um das Gebäude zu erhalten. Man dürfe den Heimatverein mit diesem Problem nicht allein lassen.
