EINSWARDEN - Oberfeldwebel Bianca Philipp und Obergefreiter Benjamin Özer sind gut sortiert. Auf ihrem Tisch liegen zwei Gefechtshelme, drei – nicht kugelsichere – Splitterwesten mit Koppel, ein schwerer Rucksack, olivgrünes Essgeschirr und ein Klappspaten. Nur mit Waffen können sie die Neunt- und Zehntklässler der Schule Am Luisenhof nicht ausstatten.

„Ganz schön schwer“, sagt einer der Neuntklässler, der sich von den Soldaten hat ausrüsten lassen. „Splitterweste, Koppel und Rucksack wiegen zusammen 25 Kilo“, bestätigt Bianca Philipp, „eine schusssichere Weste weitere 18 Kilo.“ Und die Schüler registrieren: Soldat ist ein anstrengender Beruf. Dass die Bundeswehr den Haupt- und Realschülern auch viel zu bieten hat, verdeutlicht Oberleutnant zur See Holger Flick.

Rektor Wolfgang Battenberg ihn und seine fünf Kollegen eingeladen, damit sich die rund 275 Neunt- und Zehntklässler so umfassend wie möglich darüber informieren können, welche Wege ihnen nach dem letzten Schultag offen stehen. Flick ist Wehrdienstberater in Oldenburg und hat die Sanitätsstaffel vom Kommando Schnelle Einsatzkräfte aus Schwanewede mitgebracht.

Doch nicht nur für ihre medizinischen Dienste braucht die Bundeswehr Bewerber. „Vom 1. Oktober bis zum 1. April suchen wir 1800 Auszubildende“ , sagt Flick. Denn die Armee bildet nicht nur militärisch aus, sondern qualifiziert auch für zivile Berufe – weil sie ohne diese Qualifikationen nicht auskommt.

Wer das in Anspruch nehmen will, muss sich für acht oder zwölf Jahre verpflichten. Voraussetzung ist die deutsche Staatsbürgerschaft und mindestens ein Hauptschul-Abschluss. Ehemalige Hauptschüler können beispielsweise Beton-/Stahlbetonbauer oder Kraftfahrer werden, Realschüler Fachinformatiker oder IT-Systemelektroniker. Auch Kaufleute, Mechatroniker in allen Bereichen, Rettungsassistenten und Krankenpfleger bildet die Bundeswehr aus. „Unser Einstiegsgehalt beträgt 1400 Euro“, wirbt Flick.

Allerdings: Auch die Bundeswehr sucht vor allem qualifizierte Bewerber. „Den Ausbildungsplatz zu bekommen, ist bei uns genau so schwer wie draußen“, sagt Flick. Außerdem: Die Bereitschaft zu Auslandseinsätzen wird vorausgesetzt.

Ein besonderes Interesse an einer Karriere als Berufssoldat stellt Holger Flick immer wieder bei Kindern aus Einwandererfamilien fest. Darüber freut sich die Bundeswehr, denn bei Einsätzen im Kosovo oder in Afghanistan können die Migranten als Mittler zwischen den Kulturen fungieren. „Es scheitert aber oft an der Sprache“, schränkt Flick ein. Denn in der Nato-Sprache Englisch muss mindestens eine Drei vorweisen, wer für länger als ein paar Monate schweres Marschgepäck schultern will.