ELSFLETH - Keine Plakate hängen an den Hauptstraßen. Nicht einmal Flyer hat er. Bei Frank-Rüdiger Halt ist es schlichter. Eine selbst gemachte DIN-A-4-Seite in schwarz-weiß, auf der er sich und seine Überzeugungen vorstellt.
Der 63-Jährige Diplom-Physiker und Gymnasiallehrer aus Nordenham macht vieles anders, als seine vier Mitbewerber um das Amt des Elsflether Bürgermeisters. Dass er bereits viermal als unabhängier Bürgermeister und als Landrat in der Wesermarsch kandidierte, ist für viele Elsflether das einzige, was sie mit seiner Person in Verbindung bringen. Wofür er steht und weshalb er sich zum fünften Mal um ein Bürgermeister-Amt bewirbt, weiß kaum jemand.
Am Montag besuchte Frank-Rüdiger Halt dieNWZ
-Redaktion in der Steinstraße. Warum will der Vater von drei Kindern aus Nordenham Chef der Elsflether Stadtverwaltung werden? „Karriere interessiert mich nicht“, sagt der Naturwissenschaftler und Autor von drei Büchern. Er handele aus Überzeugung, verrät er. „Die Demokratie ist mein Thema“, sagt er. Er sei gegen jegliche Form von Obrigkeitshörigkeit. „Demokratie lebt vom Einmischen. Wir bekommen nur soviel Demokratie, wie wir uns als Bürger einmischen“, so Halt. Der 1948 in Lutherstadt Wittenberg in der ehemaligen DDR geborene Halt ist ein zurückhaltender Mensch. Bei den Kandidatenrunden war er bislang stets fair, griff niemanden seiner Mitbewerber persönlich an.„Ich bin ein Querulant“, sagt er selbstironisch mit Verweis auf seine Kritiker. Viele stempelten ihn als Störenfried ab, weil er sich einmische und gegen politische Arroganz, Parteienfilz und Großmannssucht kämpft. Halt hat durchaus berechtigte politische Überzeugungen. „Vielen geht es nur um Posten. Aber Politik ist kein elitäres Geschäft“, so der Kandidat. „Wir haben in Deutschland eine Parteiendiktatur. Das zieht sich durch alle Positionen des öffentlichen Lebens.“ Nicht umsonst sei das Misstrauen der Bürger so groß. Die Gruppe der Nichtwähler liege bei 50 Prozent.
„Mir geht es um genau diese Gruppe. Um die Nichtwähler“, sagt der Diplom-Physiker, der an einer Privatschule in Nordrhein-Westfalen arbeitet und eine Wochenend-Ehe führt.
Vier Jahre war Halt Dezernatsleiter an der Universität in Potsdam (Brandenburg). Während seiner Verwaltungstätigkeit sorgte er für Wirbel, weil er an der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit an der Uni mitwirkte, viele Hochschul-Mitarbeiter sollen früher inoffizielle Mitarbeiter der Stasi gewesen sein. Halt schrieb ein Buch darüber. „Ich bin ein Bürgerrechtler“, sagt der 63-jährige Kandidat. „Mir geht es nicht ums Gewinnen.“
