ELSFLETH - ELSFLETH - An drei Abenden führte Prof. Kapt. Gotthold Richter seine Zuhörer durch die 2000-jährige Geschichte der Navigation. Für die gastgebende Nautische Verbindung „Roter Sand“ und zahlreiche Gäste waren Richters Vorträge an den vergangenen drei Mittwochabenden im Café-Restaurant „Bootshaus“lebendige und interessante Geschichtsstunden.

In den Mittelpunkt des letzten Vortragsabends stellte Richter das Problem der Bestimmung der geographischen Länge bei der Positionsermittlung bei Fahrten übers offene Meer. Nachdem die portugiesischen Seefahrer bereits im 14. Jahrhundert in der Lage waren, die geographische Breite zu ermitteln, wurde das Längenproblem erst 300 Jahre später gelöst.

Das nicht gelöste Problem wurde um so gravierender, als vom 15. bis 17. Jahrhundert Kontinente entdeckt wurden, neue Handelswege und Kolonien entstanden. Richter: „Das Ziel zu erreichen, glich immer einem Vabanque-Spiel. Das veranlasste die Seefahrernationen, hohe Preisgelder zur Lösung des Längenproblems auszusetzen. In Großbritannien lobte das Parlament 20 000 Pfund aus – heute wären das umgerechnet 20 Milliarden Euro.“ In England setzte daraufhin ein wahres Längengradfieber ein.

Während Nevil Maskelyne, Königlicher Astronom der Sternwarte Greenwich, auf Monddistanztabellen baute, gelang es dem Visionär und Autodidakten John Harrison, mit raffiniert konstruierten Chronometern die Navigation zu revolutionieren. 1759 gelang Harrison der Durchbruch. Das taschenuhrgroße Gerät wich auf einer Seereise von 156 Tagen nur 54 Sekunden ab, eine Abweichung von 0,34 Sekunden pro Tag auf einem bewegten Schiff.

Mit Nachbauten der Harrison-Chronometer navigierten später James Cook auf der „Endeavour“ Kapitän Bligh auf der legendären „Bounty“. Das Preisgeld wurde Harrison auf Betreiben seines gelehrten Rivalen Maskelyne nur häppchenweise zugestanden. Dem Erfinder und seinen forschenden Zeitgenossen Earnshaw, Arnold und Le Roy zollte Richter seinen Respekt: „Das Staunen wird immer größer, je mehr man sich mit diesen alten Knaben beschäftigt.“