Elisabethfehn - Die Stimmung kocht unter den Eltern der Soesteschule. An der Außenstelle Elisabethfehn der Förderschule fehlen zurzeit drei Stellen für Sozialpädagogen. „Im Moment haben wir vier Sozialpädagogen, wovon eine im Mutterschutz ist“, berichtet Cord-Jürgen Bruns, Vorsitzender des Elternrates. „Nach aktueller Rechtslage stehen uns allerdings sieben Sozialpädagogen zu.“
Die Eltern sehen die Förderschule für Kinder mit dem Förderschwerpunkt Emotionale und Soziale Entwicklung von der Landesschulbehörde klar benachteiligt. Die Anzahl an Stellen für Sozialpädagogen werden anhand der Schülerzahlen berechnet. 2013 hätten der Soesteschule demnach bei 110 Schülern acht Stellen zugestanden. Aktuell besuchen 155 Schüler die Einrichtung, nach neuem Erlass vom 1. August 2013 stehen der Schule sieben Stellen zu.
Bruns hat sich die Zahlen von vergleichbaren Förderschulen angeschaut. „Die Schule „Auf der Bult“ in Hannover hat bei 200 Schülern 17 Sozialpädagogen, die Hermann-Noll-Schule in Osnabrück bei 150 Schülern sieben Sozialpädagogen“, sagt er. Auch die Schule Sandkruger Straße in Oldenburg hat fünf Sozialpädagogen bei 70 Schülern. „Ab Sommer 2016 benötigen wir sogar acht bis neun Stellen.“ Die Lehrer seien gnadenlos überlastet, einige durch die extreme Belastung auch gesundheitlich angeschlagen.
Immerhin einen kleinen Lichtblick gibt es für die Soesteschule beim Thema neue Lehrkräfte. Wie Schulleiter Kai Kuszak auf NWZ -Anfrage bestätigte, sind kurzfristig eine sogenannte „Feuerwehrkraft“ sowie drei neue Stellen zum kommenden Schulhalbjahr (1. Februar) bewilligt worden.
Extremer Mehraufwand
„Wir haben bereits 2013 auf die Situation hingewiesen. Wären die Stellen damals schon bewilligt worden, hätten wir sogar nach der alten Rechtslage einen Bestandsschutz und somit acht Sozialpädagogen“, erzählt Bruns. Doch von der Landeschulbehörde seien die Zuständigkeiten immer zwischen den Standorten Oldenburg und Osnabrück sowie dem niedersächsischen Kultusministerium hin und her geschoben worden und es sei auf den allgemeinen Mangel an Sozialpädagogen verwiesen worden.
In einem Schreiben von Regierungsschuldirektor Matthias Krömer vom 4. April dieses Jahres, das der NWZ vorliegt, heißt es, dass die Problematik bekannt sei.
„Und in diesem Wissen ist im Sommer sogar ein Ganztagsbetrieb bewilligt worden“, sagt Bruns kopfschüttelnd. „Das kann ich nicht verstehen.“ Nur unter extremer Mehrbelastung könne der Betrieb aufrechterhalten werden. Nicht nachvollziehbar finden es die Eltern außerdem, dass die Förderschulen in freier Trägerschaft ein bestimmtes Budget nach Schülerzahlen zugewiesen bekommen und dieses alleinverantwortlich ausgeben können. Die staatlichen Förderschulen wie die Soesteschule können das nicht. Im Schreiben Krömers heißt es dazu, dass auch öffentliche Schulen eine große Unterversorgung vorzuweisen hätten.
Brandbrief geschrieben
Der Elternrat hat inzwischen einen Brandbrief an die Landeschulbehörde geschrieben, droht sogar mit einer Klage. „Die fehlenden Stellen wurden bisher nicht ausgeschrieben, Bewerber gab es genug. Seit Jahren fordern wir die gerechte Zuweisung von Sozialpädagogen an die Soes-teschule Barßel. Nichts ist geschehen. Nun reicht es uns“, heißt es in dem Schreiben.
Auch der Landkreis Cloppenburg als Schulträger konnte bislang noch keine zufriedenstellende Antwort der Landesschulbehörde erhalten. „Wir haben Anfang Oktober in einem Eilbrief noch einmal auf den dramatischen Zustand hingewiesen“, sagt Pressesprecherin Sabine Uchtmann. Auch hier teilte die Schulbehörde mit, dass es sehr schwer sei, die Stellen zu besetzen.
„Aufgrund ihrer Defizite stehen unsere Kinder schon am Rande der Gesellschaft. Wie tief sollen sie noch fallen“, fragt Bruns.
Eine entsprechende Anfrage der NWZ bei der Landeschulbehörde blieb am Dienstag unbeantwortet.
