Kötermoor - Die geplante Neufassung des Landes-Raumordnungsprogramms der rot-grünen Landesregierung mit dem vorgesehenen Moorschutzprogramm beunruhigt auch in Stadland die Landwirte und die übrigen Bürger. Am Sonnabend trafen sich einige von ihnen auf einer Wiese im Bereich Kötermoor/Achterstadt und damit auf einer für den Moorschutz möglichen Fläche, um sich die Bodenverhältnisse genauer anzusehen.
Uwe Ralle, Leiter der Bezirksstelle Oldenburg-Nord der Landwirtschaftskammer, hatte zur Demonstration ein Quadrat aus der Grünfläche mit dem Spaten ausgestochen und dadurch die verschiedenen Bodenschichten freigelegt. Wie erwartet, war schon nach rund 30 Zentimetern der graue Kleiboden zu sehen. Darüber lag eine zirka 10 Zentimeter dicke Niedermoorschicht und darauf eine Erdschicht, aus der die Pflanzen ihre Nährstoffe ziehen.
„Veraltete Karten“
Die Feststellung der tatsächlichen Schichtzusammensetzung war sehr interessant, zumal es bestimmte Kriterien der Landesregierung für die Ausweisung eines Vorranggebiets Torferhaltung und Moorentwicklung gibt. Hier wird eine Mächtigkeit der Torfschicht von mehr als 1,30 Meter und/oder eine Funktion als natürliche Senke für klimarelevante Stoffe vorausgesetzt. „Beide Kriterien sind bei dem genannten Gebiet nicht erfüllt“, stellte der Anwohner und Jurist Dr. Cord Diekmann fest. Die torfmächtigsten Stellen in dem gesamten Schweier Gebiet weisen nur eine Stärke von 30 bis 40 Zentimetern auf.
Diekmann wies darauf hin, dass Minister Christian Meyer (Grüne) möglicherweise mit überalterten Karten des Landesbergamtes gearbeitet habe. Auch das Kriterium der Funktion als natürliche Senke sei nicht erfüllt, da kein entsprechender Torfkörper in dem Vorranggebiet vorhanden sei. In der Bodenschätzung des Finanzamts Nordenham 2013, die für die Flurbereinigung erhoben wurde, sei der überwiegende Teil als Ton- und Lehmfläche bewertet worden.
Grundsätzlich sei er nicht gegen einen Schutz der Moore, sondern halte das für eine gute Idee, machte Diekmann deutlich und grenzte sich damit gegen die Bedenken des Landvolkverbandes ab.
Für Landwirte wie beispielsweise Otto Hermann Witting bedeutet das geplante Moorschutzprogramm eine Einschränkung der Bewirtschaftung ihrer Flächen. „Wir sind nicht damit einverstanden, das Moorschutzprogramm ist eine Enteignung durch die Hintertür“, sagte der Vorsitzende des Ortslandvolks Schwei. Hier gebe es keine Moorgebiete, die in das Programm fallen könnten.
Widersprüchliche Politik
Die Folgen der angedachten Wasseraufstauung würden eine Beweidung der Flächen durch Milchkühe verhindern. Gleichzeitig unterstützte die Landesregierung aber Programme zur Weidemilchproduktion. Das widerspreche sich, sagte Witting. Uwe Ralle wies auch auf die Folgen für die Privathäuser hin. Bei einer Vernässung der Flächen funktionierten die Kleinkläranlagen, die typischerweise im Außenbereich eingesetzt werden, nicht mehr, und das Abwasser könnte wegen der die hohen Wasserstände in den Gräben nicht mehr richtig abgeführt werden.
Auch Bürgermeister Klaus Rübesamen sah ein Problem für die Wohngebiete in Schwei, wo der hohe Wasserstand ebenfalls zu Schwierigkeiten bei der Entwässerung führen werde.
