Schortens - Laute Musik, Trillerpfeifen und knatternde Ratschen: Im Kampf für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen in den kommunalen Kindergärten der Republik haben sich am Dienstag im Nordwesten rund 500 der seit 8. Mai streikenden Erzieherinnen und Sozialarbeiter in Schortens lautstark Gehör verschafft.
Die Gewerkschaft Verdi hatte zum laufenden Streik im Sozial- und Erziehungsdienst zu Kundgebungen und einem Protestmarsch durch die Stadt aufgerufen. Der Protestzug führte vom Bürgerhaus zum Rathaus zu Schortens’ Bürgermeister Gerhard Böhling, der auch Präsidiumsmitglied im kommunalen Arbeitgeberverband ist (die NWZ berichtete).
Für ihre vielen Kolleginnen hat die 26-jährige Christin Köhlau vom Kindergarten Moorwarfen das Wort ergriffen: „Es hakt an allen Ecken“, rief sie unter tosendem Beifall vor dem Bürgerhaus ins Mikrofon. Schon während der schulischen Ausbildung verdiene man in diesem Beruf keinen Cent. Auch in späteren Jahren reichten die Verdienstmöglichkeiten kaum zum Leben. „Aufwertung jetzt!“, skandierte die Menge das Arbeitskampf-Motto im Chor.
Nicht nur die Bezahlung, sondern auch die Arbeitsbedingungen sind in der Kritik. Die psychische Belastung für die Erzieherinnen, auf denen eine große Verantwortung laste und die immer höheren Bildungsansprüchen gerecht werden müssten, werde immer größer. „Wir brauchen nicht mehr Fachkräfte in den Gruppen, sondern weniger Kinder in den Gruppen“, forderte Christin Köhlau.
Vor dem Schortenser Rathaus trat unter anderem die Leiterin des Kindergartens Zetel, Elfriede Geisendorff-Mikulka, ans Mikrofon: „Wir arbeiten täglich am Fundament der Gesellschaft. Die Kindergärten haben sich längst von reinen Betreuungskindergärten zu Bildungseinrichtungen und Förderzentren entwickelt“, so die Erzieherin. Das schlage sich weder in der Anerkennung des Berufs, noch im Gehalt nieder. Sie forderte im Namen ihrer Kollegeinnen und Kollegen die Arbeitgeber auf, das Berufsfeld der Erzieher neu zu bewerten und einzugruppieren.
Toren Glaubitz vom Verdi- Fachbereich Sozial- und Erziehungsdienst betonte, dass schon heute 120 000 Erzieher im Land fehlten. Ohne finanzielle Anreize lasse sich der Fachkräftemangel in diesem Bereich nicht beheben. „Es muss ein Signal der Arbeitgeber kommen“, so Glaubitz.
