Friesoythe - Vier Erzieherinnen stehen vor dem Gebäude des Montessori-Kinderhauses in Friesoythe unter Schirmen im Regen und ziehen lange Gesichter. Buchstäblich im Regen stehen gelassen fühlen sie sich von der Stadt Friesoythe, werden die Einrichtungen, in denen sie arbeiten (Kita „Ein Weidenkörbchen für Kinder“ und das Montessori-Kinderhaus), nur geringfügig oder gar nicht von der Stadt gefördert – im Gegensatz zu den anderen privaten Kita-Trägern (Katholischen Kirche und Caritas).

„Wir sind gemeinnützige Einrichtungen und leisten die gleiche Arbeit, die auch in den anderen Kitas in Friesoythe angeboten wird“, sagt Helga Hubo vom Montessori-Kinderhaus. „Trotzdem werden wir bei der Kita-Bedarfsplanung der Stadt nicht berücksichtigt.“

Hier aufgenommen zu werden, sei wichtig für die Einrichtung, um wichtige finanzielle Förderungen der Stadt zu erhalten. Momentan würde der Kindergartenbetrieb nur durch Elternbeiträge und Spenden finanziert. „Durch die Mehreinnahmen könnte ich unabhängiger arbeiten und die Erzieherinnen nach Tarif bezahlen“ erklärt die Leiterin der Einrichtung weiter.

Etwas anders sieht es beim Weidenkörbchen aus. „Da wir schon 2006 eine Krippe angeboten haben, wurden wir damals im Bedarfsplan der Stadt aufgenommen, allerdings erhalten wir weit weniger Fördermittel als die anderen privaten Einrichtungen“, berichtet Mira Brand, Geschäftsführerin der Trägerschaft „Ein Weidenkörbchen für Kinder“. Die Aufnahme in den Bedarfsplan sei aber nur erfolgt, weil es die Krippe gegeben habe, die die Stadt ihrerseits erst ab 2012 angeboten habe.

„Wir haben in der Vergangenheit darum gekämpft, die gleichen Fördermittel wie die anderen privaten Einrichtungen zu erhalten“, erinnert sich Mira Brand. Die Stadt habe diese Forderungen damals aber mit der Begründung abgetan, dass es keinen Bedarf für die Einrichtungen gebe.

„Da wurde schon vor Jahren in der Planung gepennt, denn jetzt ist der Bedarf da und wächst weiter“, sagt Helga Hubo – laut Erster Stadträtin Heidrun Hamjediers liegt die Bedarfslücke in Friesoythe bei circa 45 fehlenden Plätzen.

„Wir erweitern unser Angebot stetig und entlasten damit die Stadt, ihrer gesetzlichen Pflicht, jedem Kind einen Kita-Platz anbieten zu müssen, nachzukommen. Es wäre schön, wenn das auch honoriert würde“, führt Mira Brand weiter aus.

Fördermittel haben beide Einrichtungen auch aktuell beantragt. Das bestätigte Heidrun Hamjediers in einer Stellungnahme zur Thematik. Eine Entscheidung für oder gegen diese Anträge stehe aber noch aus, weil das Platzvergabeverfahren, mit dem Kinder künftig auf Einrichtungen verteilt werden, abgewartet werden solle. Mit einer Entscheidung sei bis zu den Sommerferien zu rechnen.

„Wir wünschen uns, dass die Stadt sich zu uns bekennt“, sagt Helga Hubo. „Es wäre schön, wenn wir mit ins Boot geholt werden würden und uns an einem runden Tisch mit allen Trägern treffen. Dort könne eine Bedarfsanalyse der Kita-Plätze vorgenommen werden, um dann im nächsten Schritt die Kinder auf die Kitas zu verteilen.

Wolfgang Alexander Meyer
Wolfgang Alexander Meyer Redaktion Oldenburg