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NWZonline.de Nachrichten Politik

„Es gibt keine deutsche Identität ohne Auschwitz“

28.01.2015

Berlin Mahnende Worte und stilles Gedenken: In vielen Städten Deutschlands ist am Dienstag an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert worden. Bei einer Gedenkstunde im Bundestag sagte Bundespräsident Joachim Gauck, es gebe keine deutsche Identität ohne Auschwitz. Die Erinnerung an den Holocaust bleibe eine Sache aller Bürger, die in Deutschland lebten. Das Konzentrationslager Auschwitz war vor 70 Jahren befreit worden. In vielen Landtagen kamen die Abgeordneten ebenfalls zum Gedenken zusammen. In früheren Konzentrationslagern und an Gedenkstätten wurden Kränze niedergelegt.

Gauck unterstrich, in Deutschland trügen alle Verantwortung dafür, welchen Weg das Land gehen werde. „Solange ich lebe, werde ich darunter leiden, dass die deutsche Nation mit ihrer so achtenswerten Kultur zu den ungeheuerlichsten Menschheitsverbrechen fähig war“, sagte das Staatsoberhaupt. Selbst eine überzeugende Deutung des schrecklichen Kulturbruchs wäre nicht imstande, „mein Herz und meinen Verstand zur Ruhe zu bringen“. Aus dem Erinnern ergebe sich ein Auftrag: „Schützt und bewahrt die Menschlichkeit.“

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) erklärte im Bundestag, die Nachgeborenen seien für die Vergangenheit nicht verantwortlich, wohl aber für den Umgang mit dieser Vergangenheit. Es gelte, staatlich angeordnete und organisierte Verbrechen „nirgendwo“ und „an keinem Platz der Welt“ wieder geschehen zu lassen. Die Deutschen müssten sich im Bewusstsein ihrer historischen Verantwortung den drängenden humanitären Herausforderungen der Gegenwart stellen.

In Berlin erinnerten Regierungspolitiker auch am Mahnmal für die verfolgten Homosexuellen sowie am Gedenkort für die Opfer der NS-„Euthanasie“-Morde an die Verbrechen. Die Staatssekretärin im Bundesfamilienministerium, Caren Marks (SPD), verwies darauf, dass nicht selten schwule Männer nach ihrer Verfolgung und sozialen Ächtung im Nationalsozialismus auch in der Bundesrepublik erneut bestraft wurden. Sie forderte, auch über die Rehabilitierung der nach 1945 verurteilten Homosexuellen nachzudenken.

Die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Verena Bentele, forderte bei einer Veranstaltung, heute Diskriminierungen jeglicher Art zu verhindern. Sie nahm am Gedenken an die ermordeten Behinderten und Kranken teil. „70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist das Erinnern an sie wichtiger denn je“, sagte Bentele. Eine Zukunft habe die Gesellschaft nur mit Vielfalt. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden rund 260.000 Menschen wegen ihrer Behinderung ermordet und etwa 400.000 zwangssterilisiert.

Bundesratspräsident, Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), betonte, in der freiheitlich-demokratischen Bundesrepublik gebe es keinen Platz für Intoleranz und rechtes Gedankengut. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) verwies darauf, dass das NS-Terrorregime nicht das Werk einiger weniger gewesen sei. Viele in der deutschen Gesellschaft hätten weggeschaut oder sogar mitgeholfen, das Räderwerk von Deportation, Vernichtung und Völkermord am Laufen zu halten. Die baden-württembergische Landtagsvizepräsidentin Brigitte Lösch (Grüne) forderte einen unbedingten Einsatz für die Menschenwürde und gelebte Vielfalt in der Gesellschaft.

Der Holocaust-Gedenktag ist seit 1996 gesetzlich verankert. Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee Auschwitz. Dort hatten die Nationalsozialisten rund 1,1 Millionen Menschen ermordet. Insgesamt kamen in den Konzentrations- und Vernichtungslagern der Nazis rund sechs Millionen Juden ums Leben. Ziel war die Vernichtung des europäischen Judentums. Zu den Verfolgten zählten auch Sinti und Roma, Homosexuelle sowie Oppositionelle.

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