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NWZonline.de Nachrichten Politik

Essay: Wer kapituliert, verliert

04.11.2020

Nach dem jüngsten islamischen Terror lohnt ein Blick auf die Wortwahl. Da wird bei der Beschreibung oder Bewertung der Ereignisse von Nizza oder Wien entweder jeder Bezug zum Islam vermieden – oder verdruckst von „islamistischen Anschlägen“ gesprochen. Als ob „islamistisch“ eine schlimme Abweichung vom „echten“ Islam sei. Als ob man diese Taten von der Religion trennen könnte. Man kann es nicht. Ihre Wurzeln liegen nicht in „Islamismus“, also einem mutmaßlich „falsch interpretierten Islam“. Sie liegen in der Religion an sich.

Islam ist Politik

Religionsverkünder Mohammed handelte als Prophet, Feldherr und Staatengründer. Herrschaft in islamischen Staaten der „goldenen Zeit“ war die Kombination weltlicher und geistlicher Macht. Man kannte den europäischen Dualismus von Papst und Kaiser nicht. Koran und Sunna, die Überlieferung von den Taten und Worten des Propheten, die zwei grundlegenden Quellen der Religion sind gleichzeitig Quellen des Rechts sowie politischen Handelns. Das gilt bis heute.

Die Staaten der Organisation der Islamischen Konferenz verabschiedeten so 1990 eine „Kairoer Erklärung der Menschenrechte“, in der sie die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ unter den Vorbehalt der Vereinbarkeit mit dem islamischen Recht, der Scharia, stellten.

Staaten der islamischen Welt leiten noch heute ihr Recht in Teilen oder zur Gänze aus Koran und Sunna her. Iran und Saudi-Arabien verstehen sich als Theokratien. In beiden Fällen ist die enorme Kraft der Mobilisierung durch Religion zu beobachten. Man denke an die islamische Revolution von 1979 und an die saudisch inspirierte Kampagne gegen die Sowjetunion in Afghanistan.

Letztere Bewegung fraß allerdings (fast) ihre Eltern, denn politische Mobilisierung durch Islam funktioniert auch auf nichtstaatlicher Ebene. Das war bei der Mahdi-Bewegung im Sudan (1881-1890) der Fall, und wir beobachten es heute im Pandämonium islamischer Terrorgruppen von Islamischem Staat über Hizb Allah bis zur Hamas.

Missionarischer Islam

Der Islam nimmt für sich in Anspruch, die absolute Wahrheit zu verkörpern. Er ist missionarisch: Die Welt wäre perfekt, wenn sich ihm alle Menschen unterwerfen würden. Genau das bedeutet Islam: Unterwerfung unter den Willen Gottes. Daraus ergibt sich ein Dualismus. Hier die islamische Welt, das „Haus des Friedens“, dort die nichtislamische Welt, das „Haus des Krieges“. Wer dorthin gehört, der muss sich bekehren oder verfällt dem Schwert. Gewalt als Mittel zur Verbreitung des Islam ist ausdrücklich erlaubt, der „Ungläubige“ ein Mensch dritter Klasse, der vertilgt werden darf. Christen und Juden stehen eine Stufe höher, sie werden im islamischen Staat „nur“ diskriminierenden und erniedrigenden Rechtsvorschriften unterworfen.

Theologischer Erstarrung

Das ist Realität in weiten Teilen der islamischen Welt. Es ist aber vor allem Kern des Denkens der überwiegenden Mehrheit theologischer Schulen und Strömungen. Auch der islamische Mainstream funktioniert nach Prinzipien des Frühmittelalters.

Noch immer gilt die wörtliche Auslegung des Koran. Das Buch gilt als „ungeschaffenes“ direktes Wort Gottes. Daher kennt solches Denken keine Historisierung, also keine Einordnung dieses Textes in den historischen Kontext seiner Entstehung. Das übernahmen im 19. Jahrhundert übrigens aufgeklärte Europäer – die prompt als geistige Kolonialisten verketzert wurden und werden. Die Wald-und-Wiesen-Hodschas und -Muftis der islamischen Welt aber ticken im 21. Jahrhundert, wie sie es im 12. taten.

Doch ja: Es gibt islamische Reformtheologen – meistens im Westen. Sie sind aber ohne Einfluss. Der theologische Sprengstoff in Koran und Sunna wird unterdessen in europäischen Hinterhof-Koranschulen scharf gemacht. Dagegen hat Europa kein Mittel gefunden. Gegen geduldete oder gar geförderte staatliche Radikalisierung von Menschen in der islamischen Welt schon gar nicht.

Geht es im Westen um den Islam, regiert Appeasement. Das geht bis zu einer Täter-Opfer-Umkehr, wie wir sie in den vergangenen Wochen beobachten konnten. Da schreibt der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick nach den Anschlägen in Frankreich: „Beleidigungen von Religionen sind auszuschließen“. Als ob die Terroropfer selbst schuld seien, weil sie einer westlichen Gesellschaft angehören, die Mohammed-Karikaturen ermöglicht. Es herrscht eine naive, unwissenschaftliche, romantische Vorstellung von Islam. Es herrscht die Bereitschaft, das Eigene – das Erbe der Aufklärung – zu Gunsten partikularistischer Ansprüche dieses Glaubens zu opfern.

Erbe der Freiheit

Zum Erbe gehört nämlich das Recht, Karikaturen über jede Figur zu machen, auch über Mohammed, ohne dafür umgebracht zu werden. Dazu gehört das Recht, über jegliche religiöse Überzeugungen zu spotten, ohne dafür geköpft zu werden. Hunderte von Jahren stritten Europäer für das Recht auf freie Meinungsäußerung und verloren dabei ihr Leben. Jetzt sollen wir dieses Recht aufgeben, weil fanatisierte Moslems sich beleidigt fühlen? Niemals! Der Staat hat diese Rechte zu schützen. Tut er das nicht, versagt er.

Mehr noch: Es gibt ein Recht auf Freiheit von Religion, das auch darin besteht, in Schulen, Schwimmbädern, Kantinen oder anderen Orten öffentlichen Lebens keine Sonderrechte für Moslems zu gewähren. Wer solche Rechte gewährt, wird von Anhängern des politischen Islam als schwach betrachtet. Sie werden als Ermutigung gedeutet, als Signal erfolgreicher Mission. Die islamische Welt und der Islam präsentieren sich also reformunfähig. Dort wird weiter Terror erbrütet werden. Der Westen, die aufgeklärte Welt, wird ihm nicht Herr werden, geht sie den Weg kultureller Kapitulation.

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