Straßburg - Neue europäische Regeln für die Zulassung von Saatgut sind im Europaparlament gescheitert. Die Abgeordneten wiesen die Vorschläge der EU-Kommission am Dienstag in Straßburg mit einer Mehrheit von 650 zu 15 Stimmen zurück.
Die Pläne hätten den EU-Staaten zu wenig Spielraum gelassen, bemängelte der Vorsitzende des Landwirtschaftsausschusses, der Sozialist Paolo De Castro aus Italien. Kritiker hatten zudem vor bürokratischen Auflagen für seltene und alte Sorten gewarnt. Hobbygärtner hätten Einheitssaatgut kaufen müssen.
Sollten die EU-Staaten die Vorschläge ebenfalls zurückweisen, seien sie endgültig vom Tisch, erklärte das Europaparlament. „Eine Zwangsregistrierung hätte viele seltene Saatgutarten bedroht“, teilte der CSU-Europaabgeordnete Albert Dess mit.
EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg widersprach heftig. „Dieser Vorschlag hat nichts mit dem Gebrauch von Saatgut zu tun, ob auf Bauernhöfen oder in privaten Gärten“, sagte er. Vielmehr gehe es um die Sicherung von Qualität im Handel. Rund 95 000 Menschen hatten eine Petition des Netzwerkes „Kampagne für Saatgut-Souveränität“ gegen die Pläne unterzeichnet.
