Brüssel/Berlin/Kleinensiel - Die deutschen Atomkraftwerke (AKW) haben nach Erkenntnissen der EU Sicherheitslücken, etwa bei der Warnung vor Erdbeben. Das ist ein Ergebnis des nach der Katastrophe von Fukushima eingeleiteten EU-weiten Stresstests.

Alle neun noch laufenden AKW in Deutschland müssten die auf den Anlagen installierten Warnsysteme nachbessern oder installieren, fordert der Entwurf zum Bericht der EU-Kommission, der der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Brüssel vorliegt. Zudem hätten die Betreiber die internationalen Leitlinien für schwere Unfälle nicht umgesetzt. Offizielle Ergebnisse will die EU-Kommission erst Mitte Oktober veröffentlichen.

Als Reaktion auf das Unglück im japanischen Fukushima hatte die EU europaweit alle 145 Nuklearreaktoren (aktive und stillgelegte) auf ihre Sicherheit hin geprüft. In Deutschland waren es zwölf Anlagen mit 17 Reaktoren: Biblis A und B, Brokdorf, Brunsbüttel, Emsland, Grafenrheinfeld, Grohnde, Gundremmingen B und C, Isar I und II, Krümmel, Neckarwestheim I und II, Philippsburg I und II, Unterweser in Kleinensiel (Kreis Wesermarsch).

Um die Mängel zu beheben, müssten die Betreiber EU-weit nach Rechnung der EU-Kommission für alle 134 noch laufenden Reaktoren in den kommenden Jahren zwischen 10 und 25 Milliarden Euro investieren.

Europaweit schneiden französische AKWs besonders schlecht ab. Kritikpunkte sind fehlende oder ungenügende Erdbeben-Messgeräte, die sichere Lagerung von Unfallausrüstung und Mängel bei der Prüfung von Erdbeben- und Flutgefahren. Besonders schwere Mängel belegt der EU-Report für zwei Werke – Olkiluoto in Finnland und Forsmark in Schweden –, wo die Betreiber weniger als eine Stunde Zeit haben, um nach einem Stromausfall und/oder einem Ausfall der Kühlsysteme die Sicherheitssysteme wieder hochzufahren.