Tokio/Berlin - Vielleicht war Wolfgang Schäubles Mission in Tokio von vornherein aussichtslos, vielleicht hatte er auch einfach Pech: Sein Ziel, bei der IWF-Jahrestagung endlich ein Ende der Dauerkritik an der Eurozone zu erreichen, hat der deutsche Kassenwart verfehlt. Erneut stand der Kontinent auf der Weltfinanzbühne im Kreuzfeuer, da half auch kein Friedensnobelpreis. „Die verzögerte Reaktion auf die Krise speziell in der Eurozone hat zu einem Berg an hartnäckigen Problemen geführt“, warf der brasilianische Finanzminister seinen Kollegen am Sonnabend vor. Er war nicht allein mit dieser Meinung.

„Entschlossenes Handeln“ – diese Erwartung schrieben dann auch die 188 Mitgliedstaaten des Währungsfonds in ihre Abschlusserklärung vor allem in Bezug auf Europa. Konkret zählen sie auf, was dort umgehend geschehen müsse, um die Weltwirtschaft aus der „negativen Endlosschleife“ zu befreien.

Verwunderlich ist das schon: Die USA rasen gerade auf eine wirtschaftliche Katastrophe zu, da zum Januar automatisch Steuererhöhungen und massive Budgetkürzungen in Kraft treten, wenn der Kongress nicht handelt. Doch das ist in der Abschlusserklärung keine zwei Zeilen wert. Japan mit seiner extremen Verschuldung wird ebenso kurz abgehandelt.

Die Eurokrise dagegen bekommt einen langen Absatz. „Wenn man die objektiven Daten betrachtet, erstaunt die Fixierung auf Europa“, sagt der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Georg Fahrenschon. Schäuble findet dafür klarere Worte: „Das ist billig, Euro-Bashing zu betreiben.“

Statt der Verkünder „guter Nachrichten“ zu sein, musste Schäuble in die Rolle des Bremsers schlüpfen. Zu Griechenland gab es von Schäuble klare Worte: Trotz der noch offenen Hilfszahlung der internationalen Geldgeber schließt Schäuble eine Staatspleite Griechenlands aus. „Ich denke, das wird nicht passieren, dass es einen Staatsbankrott in Griechenland gibt“, sagt der CDU-Politiker in Singapur. Auch einen Austritt des hoch verschuldeten Landes aus der Währungsgemeinschaft werde es nicht geben.

Zum Ausklang des Jahrestreffens bekam er noch hochrangige Schützenhilfe. Nicht nur EZB-Chef Mario Draghi attestierte der Eurozone, dass es „viele Zeichen für Optimismus“ gibt. Auch von US-Finanzminister Timothy Geithner kam Lob für den Anti-Krisen-Kampf in Europa .