Eversten - Viele Gasthäuser müssen schließen; damit gehen meist Treffpunkte für ein Stadtviertel verloren. Was ist zu tun, damit der Zusammenhalt der Bürger und der Vereine in der Umgebung trotzdem weiter gepflegt werden kann?

Vor dem Hintergrund dieser Frage diskutiert die Stadtverwaltung mit Bürgervereinen und Ratsvertretern über sogenannte Bürgerhäuser. Sie sollen in den Stadtteilen entstehen und Angebote ermöglichen, die gemeinschaftlichen Aktivitäten unterstützen.

Im jüngsten Allgemeinen Ausschuss wurde deutlich: Verwaltung und Ratsfraktionen unterstützen solche Bürgerhäuser grundsätzlich. Die CDU-Fraktion hatte die Verwaltung gebeten, über den Stand der Beratungen zu berichten. Vor allem die Oldenburger Bürgervereine hätten einen Mangel an Tagungsmöglichkeiten bedingt durch den Wegfall zahlreicher Traditionsgaststätten mit Saalbetrieb beklagt. Rita Schilling (Grüne) unterstützte die Initiative: Es sei höchste Zeit, das Thema konkret zu erörtern.

Ideenwerkstatt in Eversten

Die Stadt plant eine Ideenwerkstatt in Eversten, um die Idee der Bürgerhäuser zu diskutieren.

Als Termin ist Donnerstag, 7. November, im Gespräch. Hierzu würden Bürgervereine sowie Bürgerinnen und Bürger noch gesondert eingeladen.

Zur Finanzierung der Ideenwerkstatt in Eversten stehen 10 000 Euro im städtischen Haushalt bereit.

Oberbürgermeister Jürgen Krogmann sieht ebenfalls einen „dringenden Bedarf“. Allerdings fehle bislang das Betriebsmodell. Denkbar sei zwar, dass die Stadt solche Häuser unterstütze und zum Beispiel eine Liegenschaft bereitstelle. „Aber wer baut, betreibt und bespielt die Bürgerhäuser? Dazu muss ehrenamtliches Engagement beitragen!“ Bei den bisherigen Gesprächen mit den Bürgervereinen habe es genau an diesem Punkt gehakt. Krogmann: „Das Projekt muss wachsen. Aber ich sehe die kritische Masse nicht so recht.“

Die Bürgervereine wollten sich sehr wohl für Bürgerhäuser einbringen, sagte Harald Götting, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Stadtoldenburger Bürgervereine, der NWZ „Ehrenamtliches Engagement ist nötig und wird von uns auch eingebracht.“ Allerdings würden Betrieb und Verwaltung solcher Häuser „das Ehrenamt überfordern“.

Im März 2018 hatten Verwaltung und Vertreter der Bürgervereine sowie der Ratsfraktionen erstmals über Bürgerhäuser beratschlagt. Im Anschluss daran seien alle Bürgervereine mit einer Fragebogenaktion nach ihren Wünschen hinsichtlich eines Bürgerhauses und ihrer Mitwirkungsbereitschaft an Etablierung und Betrieb befragt worden. „Die Rückmeldequote war mit drei Rückmeldungen gering“, heißt es in der Verwaltungsvorlage.

Nunmehr bereite die Verwaltung eine Ideenwerkstatt im Stadtteil Eversten als Pilotprojekt vor. Mit ihr solle exemplarisch für diesen Stadtteil herausgefunden werden, welche Vorstellungen die Bürger, Vereine und Institutionen vor Ort konkret zum Thema Bürgerhaus hätten. Anschließend solle beraten werden, wie es mit dem Projekt, auch im Hinblick auf die Übertragbarkeit auf andere Stadtteile, weitergehen könne.

Christoph Kiefer
Christoph Kiefer Reportage-Redaktion (Chefreporter)