Buenos Aires - Im Prozess um länderübergreifende Verbrechen gegen Dissidenten in Südamerika in den 1970er Jahren sind Ex-Militärs zur Rechenschaft gezogen worden. Für seine Beteiligung an der „Operation Condor“ wurden gegen den früheren argentinischen General und Machthaber Reynaldo Bignone 20 Jahre Gefängnis verhängt. 14 weitere Militärs müssen für acht bis 25 Jahre hinter Gitter. Die am Freitag in Argentinien ergangenen Urteile gelten als Meilenstein. Denn erstmals hielt ein Gericht fest, dass die Operation von den damals von den USA gestützten früheren Regime in Chile, Argentinien, Bolivien, Brasilien, Paraguay und Uruguay ausgeführt wurde.

Auf Betreiben des chilenischen Diktators Augusto Pinochet begannen die anderen Machthaber der südamerikanischen Länder im November 1975, ihre Geheimpolizeien in einer grenzübergreifenden Kooperation auf Oppositionelle anzusetzen. Einige linke Dissidenten hatten Zuflucht in Nachbarstaaten gesucht, nur um im Rahmen der Kampagne verhaftet und getötet zu werden. Da die Leichen der Opfer in vielen Fällen nie gefunden wurden, argumentierten argentinische Staatsanwälte, dass die gesetzlichen Verjährungsfristen nicht griffen. Das Verbrechen der Verschleierung der Tötungen dauere bis heute fort, erklärten sie.

Dem inzwischen 88-jährigen Bignone wurde neben Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung auch Entführung sowie Amtsmissbrauch im Zusammenhang mit dem Verschwinden von mehr als 100 Menschen zur Last gelegt. Der letzte Diktator Argentiniens, der das Land von 1982 bis 1983 regierte, hatte bereits eine lebenslange Haftstrafe für vielfache Verstöße gegen Menschenrechte während der Militärdiktatur 1976 bis 1983 bekommen. 2013 starb Jorge Rafael Videla dann im Gefängnis.

Verurteilt wurde zudem der uruguayische frühere Armeeoberst Manuel Cordero Piacentini. Er soll Häftlinge in der Werkstatt Automotores Orletti in Buenos Aires gefoltert haben. Dort wurden viele gefangen genommene Linke auf Geheiß ihrer Heimatstaaten verhört.

Als wichtiges Beweisstück im Prozess galt eine 1975 verschickte und inzwischen freigegebene Depesche eines FBI-Agenten. Darin wird im Detail die Verschwörung zum Geheimdienstaustausch und zur Tötung linker Oppositioneller dargelegt.

Doch die „Operation Condor“ ging noch viel weiter: Die US-Regierung ermittelte später, dass chilenische Agenten einen Ex-Botschafter des südamerikanischen Landes, Orlando Letelier, und dessen amerikanische Assistentin Ronni Moffitt im September 1976 in Washington umbrachten. Agenten der „Operation Condor“ verfolgten andere Exilanten sogar bis nach Europa.

Zu den Opfern zählte Maria Claudia Irureta Goyena, die Schwiegertochter des argentinischen Dichters Juan Gelman. Sie war schwanger, als sie verschleppt und monatelang in Automotores Orletti festgehalten wurde. Dann wurde sie mit einer Maschine der Luftwaffe Argentiniens nach Uruguay gebracht, wo sie ihr Kind zur Welt brachte und dann verschwand. Jahrzehnte vergingen, ehe ihre Tochter Macarena Gelman von ihrer wahren Identität erfuhr.

„“Operation Condor“ wirkte sich auf mein Leben aus, meine Familie“, sagte auch die Chilenin Laura Elgueta. Ihr Bruder Luis sei vor den Truppen Pinochets nach Buenos Aires geflohen. Doch sei er dort 1976 durch die „Operation Condor“ verschwunden.