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NWZonline.de Nachrichten Politik

Ex-Serbenführer Karadzic zu 40 Jahren Haft verurteilt

25.03.2016

Den Haag Der ehemalige bosnische Serbenführer Radovan Karadzic ist für den Völkermord in Srebrenica und andere Gräueltaten im Bosnienkrieg zu 40 Jahren Haft verurteilt worden. Das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag sprach den 70-Jährigen am Donnerstag in zehn von elf Anklagepunkten schuldig. Karadzic kündigte Berufung gegen seine Verurteilung an.

Der Vorsitzende Richter O-Gon Kwon sagte, Karadzic sei als Präsident der Republika Srpska der einzige in der Führungsriege der bosnischen Serben gewesen, der den Massenmord an mehr als 8000 muslimischen Männern und Jungen in Srebrenica stoppen hätte können. Stattdessen habe er den Befehl gegeben, die gefangenen Männer außerhalb der Stadt zu bringen, wo sie dann getötet und in Massengräbern verscharrt wurden.

Kwon sagte, dass Karadzic und sein Militärchef Ratko Mladic den Plan gehabt hätten, jeden kampftüchtigen bosnisch-muslimischen Mann in Srebrenica zu töten.

Ebenfalls schuldig befunden wurde Karadzic für Morde, Angriffe und Terror gegen Zivilisten bei der 44-monatigen Belagerung der bosnischen Hauptstadt und der Geiselnahme von UN-Blauhelmen. Einen Freispruch erhielt Karadzic hingegen in einem weiteren Vorwurf des Völkermords, nämlich im Zuge der Vertreibung bosnischer Muslime und Kroaten aus Dörfern, die die serbischen Truppen für sich beanspruchten.

Während des Bosnienkrieges von 1992 bis 1995 kamen 100 000 Menschen ums Leben. Als politischer Führer und Oberbefehlshaber der serbischen Truppen in Bosnien wurde Karadzic für einige der schlimmsten Gräueltaten während der Jugoslawienkriege verantwortlich gemacht. Er selbst hatte auf seiner Unschuld beharrt und behauptet, seine Entscheidungen im Krieg hätten nur dem Schutz der Serben gedient.

Anwalt Peter Robinson sagte, Karadzic sei schockiert über seine Verurteilung. Er werde Berufung einlegen.

UN-Menschenrechtskommissar Said Raad al-Hussein sagte, das Urteil werde vielleicht andere Politiker davon abhalten, nationalistische Stimmungen auszunutzen und Minderheiten anzugreifen. „Dieses historische Urteil sollte ein Wendepunkt sein“, sagte er. Ein Sprecher von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, es sei ein „starkes Signal an alle in verantwortungsvollen Positionen, dass sie für ihre Taten zur Verantwortung gezogen werden“.

Im serbischen Teil Bosniens wurden Poster mit Karadzics Foto und dem Slogan „Wir sind alle Radovan“ aufgehängt. Mehrere Dutzend Menschen demonstrierten in der Stadt Doboj gegen das Urteil. Auch in der serbischen Hauptstadt Belgrad kritisierten einige den Schuldspruch. „Das ist eine faschistische Entscheidung“, sagte der Rentner Bosko Solic. Karadzic sei unschuldig und ein „gerechter Mann“.

Der 1993 eingerichtete UN-Gerichtshof für das ehemalige Jugoslawien hat 161 Verdächtige angeklagt. Von diesen wurden 80 verurteilt, 18 freigesprochen und 13 an örtliche Gerichte überstellt. Bei 36 wurden die Anklagen zurückgezogen oder sie starben. Unter ihnen war auch der serbische Präsident Slobodan Milosevic, der 2006 in seiner Zelle in Den Haag starb, bevor das Urteil gegen ihn verlesen werden konnte.

Das UN-Tribunal steht vor seinen letzten Urteilssprüchen, bevor es seine Arbeit einstellt. Neben Karadzic sind aktuell noch drei weitere Angeklagte vor Gericht, unter ihnen auch Karadzics Militärchef Ratko Mladic. In acht Fällen läuft ein Berufungsverfahren, in zweien soll der Prozess neu aufgerollt werden.

Der nächste Urteilsspruch steht bereits kurz bevor: und zwar gegen den serbischen Ultranationalisten Vojislav Seselj am kommenden Donnerstag.