Kiel/Hamburg - Fast drei Jahrzehnte nach dem rätselhaften Tod des früheren schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel (CDU) hat ein an der Obduktion beteiligter Rechtsmediziner seine Auffassung bekräftigt, der Politiker habe Suizid begangen. „Es war Suizid, für eine andere Annahme gab es keine Anhaltspunkte“, sagte Werner Janssen der „Zeit“. Der Rechtsmediziner hat den Leichnam 1987 mit seinem Kollegen Klaus Püschel obduziert.

Barschels Leiche wurde am 11. Oktober 1987 in der Badewanne eines Zimmers im Genfer Hotel „Beau Rivage“ gefunden. Ob der 43-Jährige ermordet wurde oder aus eigenem Willen starb, ist bis heute ungeklärt. Fest steht, dass er einen tödlichen Medikamentencocktail im Körper hatte. Zwischen Experten blieb umstritten, ob er das letztlich tödliche Mittel noch selbst zu sich nehmen konnte.

Aus dem Sektionsprotokoll zitiert die „Zeit“ wie folgt: „Eine versehentliche Überdosierung bei einem bewusstseinsklaren Menschen ist angesichts dieser Substanzmengen nicht denkbar; ebenso unwahrscheinlich ist die Möglichkeit einer unbemerkten Beibringung. Nach den vorliegenden Erkenntnissen gibt es keinen Anhalt für eine Beibringung der zum Tode führenden Substanzen unter äußerem Zwang.“

Barschel stand im Zentrum eines auch Waterkantgate genannten Skandals. Kurz vor der Landtagswahl war publik geworden, dass ein Referent aus seiner Staatskanzlei den SPD-Oppositionsführer Björn Engholm bespitzeln ließ und mit üblen Tricks unter Druck gesetzt hatte. Barschel musste zurücktreten.