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NWZonline.de Nachrichten Politik

Experten stochern im Nebel

14.02.2017

Berlin /Hannover Zwölf Seiten lang ist die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Grünen zu den Übertragungswegen der Vogelgrippe, zusammenfassen lässt sie sich in einem einzigen Satz: Wir haben keine Ahnung.

622 398 Puten, Hühner und Enten haben die deutschen Seuchenbekämpfer seit dem 8. November 2016 in Beständen mit nachgewiesener Geflügelpest getötet. 154 000 weitere Tiere mussten vorsorglich sterben. Der wirtschaftliche Schaden ist enorm; allein das Töten der Tiere und die Reinigung der infizierten Ställe kosten nach Schätzungen der Landesregierung Niedersachsen bei einem Betrieb mit 14 000 Puten fast 75 000 Euro.

Obwohl die Experten in Veterinärämtern, Landesbehörden und Bundesinstituten seit drei Monaten intensiv forschen, ist es ihnen nicht gelungen, den Eintragsweg des gefährlichen H5N8-Erregers in die Geflügelställe zu finden. Deshalb wollte die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen nun wissen: Sucht man womöglich an der falschen Stelle? Die aktuellen Ausführungen des Bundeslandwirtschaftsministeriums deuten darauf hin, dass die Antwort „Ja“ lauten könnte.

Bislang folgen die Behörden der sogenannten Wildvogeltheorie des Friedrich-Löffler-Instituts. Demnach soll das Virus über die Vogelzugrouten staffettenartig von Asien nach Europa getragen worden sein. Vogelkundler haben bereits mehrfach Zweifel an dieser Theorie geäußert.

Dem Landwirtschaftsministerium zufolge sind 538 Ausbrüche von Vogelgrippe in der Europäischen Union dokumentiert. Bei 73 Prozent wurde die Eintragsquelle als „unbekannt“ angegeben. Die verbleibenden 143 Ausbrüche gehen auf Kontakt zu Nachbarbetrieben, Zukäufe von Tieren, Gerätschaften, Fahrzeuge oder Personenkontakt zurück. Bei 49 Ausbrüchen wird auf einen direkten oder indirekten Kontakt zu Wildtieren verwiesen – also in neun Prozent der Fälle.

Das Ministerium räumt ein: Gesicherte Erkenntnisse zur Verbreitung des Erregers von Asien nach Europa über Zugvögel liegen nicht vor. Auf die Anfrage der Grünen bestätigt das Ministerium zudem, dass der Bundesregierung Veröffentlichungen vorlägen, „die eine primäre Ausbreitung von Geflügelpest über Nutzgeflügel postulieren“.

„Unbestätigt“, „nicht zweifelsfrei“, „nach wie vor unklar“ – das sind überhaupt die häufigsten Formulierungen im Text. Friedrich Ostendorff, agrarpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, sagt deshalb: „Es erschließt sich mir nicht, dass alleinig an der Zugvogeltheorie festgehalten wird.“ Er fordert die Bundesregierung auf, die „Anstrengungen zur Aufklärung zu intensivieren“: „So unklar wie die Faktenlage ist, muss in alle Richtungen geforscht werden“, so Ostendorff.

Forscher beim Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Oldenburg überprüfen seit einigen Wochen, ob auch Mäuse oder Ratten das Virus in die Ställe getragen haben könnten. Laut Bundeslandwirtschaftsministerium kann auch eine Übertragung durch Stubenfliegen „nicht gänzlich ausgeschlossen“ werden.

Kritiker der Wildvogeltheorie fordern aber vor allem, die Transport- und Stoffwege der Geflügelwirtschaft verstärkt in den Blick zu nehmen. Denn auch das geht aus der Antwort der Regierung hervor: Das Friedrich-Löffler-Institut wertet Zugvogelrouten aus – nicht aber die GPS-Daten von Geflügeltransporten aus Ungarn, wo die Vogelgrippe entdeckt worden war, bevor sie in Deutschland ausbrach.

Karsten Krogmann Redakteur / Reportage-Redaktion
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