Peking - Bo Xilai schien auf dem Weg an die Spitze. Der charismatische Politiker hatte Anfang 2012 noch gute Aussichten, beim Generationswechsel auf dem Parteikongress im November in den engsten Führungszirkel aufzurücken. Der Giftmord seiner Frau Gu Kailai an dem Geschäftsmann Neil Heywood setzte der Karriere des 64-Jährigen ein jähes Ende.

Mit charmanten Umgangsformen ähnelte er wie kaum ein anderer chinesischer Politiker populären westlichen Amtskollegen. Er wurde schon als möglicher Regierungschef gehandelt, bevor er 2007 eher überraschend Parteichef von Chongqing wurde. Sein modernes Auftreten stand im Gegensatz zu der neomaoistischen Kampagne, mit der sich Bo Xilai als Parteichef in der boomenden 30-Millionen-Metropole einen Namen machte. Seine Sozialpolitik machte ihn zur Galionsfigur linkskonservativer Kräfte und zum Gegenspieler marktorientierter Reformpolitiker.

Widersprüchlich war auch sein Kampf gegen das organisierte Verbrechen. Indem er in Chongqing alte Machtstrukturen aufbrach, erwarb sich Bo Xilai den Ruf als gnadenloser „Mafia-Jäger“. Seine eigenen Machenschaften, die der Polizeichef Wang Lijun später enthüllte, waren hingegen nicht minder kriminell.

Seine Herkunft hatte ihm eine große Zukunft verheißen. Bo Xilai ist der Sohn des Revolutionsveteranen Bo Yibo, der zu den „acht Unsterblichen“ der Kommunistischen Partei gehörte. Als Teenager schloss sich der „Prinzling“ den fanatischen Roten Garden Mao Tsetungs an. Seine Karriere ging steil nach oben. Vom Bürgermeister der Hafenstadt Dalian stieg Bo Xilai zum Handelsminister auf. Er und seine Frau, eine erfolgreiche Anwältin, galten als das Traumpaar der chinesischen Politik.

In der Familie soll sich Gu Kailai um die Finanzen gekümmert haben. Über Heywood soll sie Geld ins Ausland verschoben haben, wobei es zum tödlichen Streit gekommen sei, wie es hieß. Bo Xilai versuchte, die Tat zu vertuschen, überwarf sich mit seinem Polizeichef. Der „Superbulle“ Wang Lijun fürchtete um sein Leben und flüchtete in ein US-Konsulat, wo er auspackte. Kurz nachdem seine Enthüllungen bekannt wurden, verschwand der Politstar im Hausarrest. Bo verlor alle Posten und wurde aus der Partei ausgeschlossen.