Hude - Dienstagvormittag, Birte Wachtendorf ist im Stress. Gerade hat sie aus der Druckerei Hauswurfsendungen abgeholt, die am kommenden Wochenende unters Wahlvolk gebracht werden sollen. Schon klingelt das Telefon: Am anderen Ende der Leitung ist das Büro von Claudia Roth, um einen Termin zu bestätigen: Die Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen kommt am Freitag, 18. November, zu einem „politischen Frühschoppen“ nach Hude, um Birte Wachtendorf in der Endphase des Landtagswahlkampfes zu unterstützen.
Die 45-jährige Huderin kümmert sich indes nicht nur um ihren eigenen Wahlkampf als Direktkandidatin, sondern auch um die Aktivitäten ihrer Partei insgesamt: Schließlich ist sie Kreisgeschäftsführerin der Grünen. Außerdem kommt gleich der erste ihrer beiden acht und zehn Jahre alten Söhne aus der Schule nach Hause: „Man muss ganz schön jonglieren“, sagt Wachtendorf. Familie, Politik und Beruf unter einen Hut zu bekommen, sei jedoch bei den Grünen möglich, meint die studierte Geografin und Politikwissenschaftlerin.
Über den vollen Terminkalender murrt Birte Wachtendorf nicht – „man weiß ja vorher, was auf einen zukommt.“ Sie ist Wahlkampf-erfahren: Im Kommunalwahlkampf 1996 übernahm sie die Kreisgeschäftsstelle. Mit der zunächst auf ein halbes Jahr befristeten Koordinierungsstelle „lief es so gut, dass es dabei geblieben ist“, so Wachtendorf. Durch ihr Studium sei sie schon „früh auf der grünen Schiene“ gewesen. Der Parteieintritt 1996 „war ein logischer Schritt“. Seit 2001 gehört sie dem Rat der Gemeinde an, führt den Fraktionsvorsitz und ist dank ihres überragenden persönlichen Wahlergebnisses bei der Kommunalwahl 2011 (fast 900 Stimmen) nun auch stellvertretende Bürgermeisterin. Das Amt verschafft ihr viele „spannende Begegnungen“ mit Menschen. Mit Bürgern ins Gespräch zu kommen, ist auch das, was ihr im Wahlkampf Spaß macht: „Ich stehe liebend gerne an Wahlkampfständen und spreche mit den Leuten.“
2003 hatte die Huderin schon einmal für den Landtag kandidiert. Diesmal steht sie auf Platz 45 der Landesliste, der keine Aussicht auf Einzug ins Leineschloss bietet. Wichtiger als die Platzierung war ihr die Erfahrung, eine Bewerbungsrede vor Delegierten in einer großen Halle zu halten. Die „Rückmeldungen“ seien so gut gewesen, dass sie erwägt, die politische Karriere künftig „noch ernsthafter ins Visier“ zu nehmen. Vorerst steht für sie aber im Vordergrund, grüne Ziele – von der Agrarwende bis zur Umsetzung der Inklusion an Schulen – bestmöglich zu präsentieren und mit einem guten Ergebnis für die Grünen im Wahlkreis Oldenburg-Land zum Regierungswechsel in Hannover beizutragen.
Der Dialog mit der Landwirtschaft liege ihr sehr am Herzen. Wachtendorf lehnt eine weitere Industriealisierung der Landwirtschaft ab, wirbt für einen gentechnikfreien Landkreis und eine Umschichtung von Agrarsubventionen. Ein wichtiges Thema ist für sie auch die Westumgehung von Delmenhorst. Den Bau einer neuen Schnellachse im Norden Ganderkesees kommt für sie nicht in Frage. In puncto Bildung steht bei ihr das Thema Inklusion obenan: „Die Schulen dürfen damit nicht alleine gelassen werden.“ Bessere Personalstandards an Krippen und Kindergärten und Erleichterungen bei der Einrichtung von Gesamtschulen benennt Birte Wachtendorf als weitere grüne Ziele, für die sie sich ins Zeug legt – an Info-Ständen, auf Wahlveranstaltungen und Podiumsdiskussionen.
