Berlin - Seit dem Scheitern von Rot/Rot/Grün im Saarland wird die FDP wieder umworben wie lange nicht mehr. Und auch das mediale Interesse nimmt wieder zu – mehr als 230 Journalisten hatten sich zum Bundesparteitag in Berlin angemeldet. FDP-Vizevorsitzender Wolfgang Kubic­ki kann sich bei seiner Eröffnungsrede an ein solches Interesse nicht mehr erinnern. Doch der FDP-Vorsitzende Christian Lindner warnt die rund 660 Delegierten: „Das Comeback der FDP ist längst noch nicht erreicht.“

Ja, die FDP wird wieder umworben – als Mehrheitsbeschafferin. Das erzeugt bei den Liberalen einerseits Euphorie. Andererseits verunsichert es zumindest die Parteispitze. Denn bloße Mehrheitsbeschafferin wollen die Liberalen nach dem Absturz 2013 nie wieder sein. Also nur nicht den Eindruck erwecken, man schiele wieder auf Koalitionsoptionen, bloß keinen Fehler mehr machen bis zur Bundestagswahl.

Lindner wird auch nicht müde, Koalitionen auszuschließen – und sich gegen Union und SPD gleichermaßen abzugrenzen. So argumentiert er kategorisch gegen eine Ampel in seiner Heimat Nordrhein-Westfalen. In dem Land müsse eine Politikwende her. Rot/Grün unter Hannelore Kraft habe das Land in Grund und Boden regiert. Für ein Weiter so stehe die FDP nicht zur Verfügung.

In NRW, wo am 14. Mai gewählt wird, liegt die FDP mit ihrem Spitzenkandidaten Lindner bei zehn Prozent. Ähnlich sieht es mit dem Spitzenkandidaten Kubicki in Schleswig-Holstein aus, wo sieben Tage vorher gewählt wird. Beide kandidieren anschließend für den Bundestag. Kritik daran lässt Lindner nicht gelten. Er habe diesen Schritt bereits 2013 angekündigt. Denn das Comeback der FDP im Bundestag sei nur über die Länder möglich.

Ein „sozialistisches Ergebnis“ von 100 Prozent, wie es Martin Schulz kürzlich als SPD-Chef einfuhr, hat sich Lindner nicht gewünscht. Und die Delegierten tun ihm den Gefallen – sie bestätigen ihn mit „nur“ 91 Prozent im Amt. Kubicki bekommt immerhin 92,2 Prozent.