Paris - Nach den Terroranschlägen in Paris haben die Ermittler erste Erfolge bei der Suche nach Komplizen erzielt. In Belgien nahm die Polizei am Samstagmorgen drei Verdächtige fest, die mit den Anschlägen vom Freitagabend offenbar in Verbindung stehen. Acht Extremisten hatten an sechs Tatorten in Paris praktisch gleichzeitig zugeschlagen und mindestens 129 Menschen durch Selbstmordattentate und bewaffnete Angriffe getötet. Die Terrorwelle löste weltweit Entsetzen aus. Die Terrormiliz Islamischer Staat bekannte sich dazu.
Bei den Anschlägen erlitten 352 Menschen Verletzungen, wie Staatsanwalt François Molins am Abend erklärte. 99 von ihnen befanden sich im kritischem Zustand. Ein Angreifer wurde von der Polizei getötet, sieben sprengten sich selbst in die Luft. Dies sei eine neue Terrortatik in Frankreich, sagte Molins weiter. Präsident François Hollande sprach von einem Akt des Kriegs und kündigte Vergeltung an. Der IS sagte, die Anschläge stünden im Zusammenhang mit den französischen Luftangriffen auf die Miliz in Syrien.
Die EU rief ihre 28 Mitgliedssstaaten für Montagmittag zu einer Schweigeminute im Gedenken an die Opfer auf. Einige Länder ließen als Zeichen des Mitgefühls Gebäude in den Farben der französischen Flagge erleuchten, darunter das Brandenburger Tor in Berlin, das Opernhaus in Sydney und die Christus-Statue in Rio de Janeiro. Aus aller Welt kamen Bekundungen der Trauer und des Beistands, auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Für Frankreich ist es bereits die zweite islamistische Anschlagsseriein diesem Jahr nach Anschlägen von islamischen Extremisten auf die Redaktion der Zeitschrift „Charlie Hebdo“ und einem jüdischen Supermarkt in Paris mit 17 Toten.
Der Zugriff in Belgien erfolgte, weil ein Auto mit belgischem Kennzeichen an einem der Tatorte in Paris - der Konzerthalle Bataclan - gesehen worden war, wie ein Sprecher der belgischen Generalstaatsanwaltschaft am Samstagabend mitteilte. Einer der Festgenommen sei ein Franzose, die beiden anderen Belgier.
INTERAKTIVE KARTE: Die Terrornacht von Paris
Mindestens einer der Attentäter von Paris war nach Angaben der Polizei ein junger Franzose, der bereits wegen Verbindungen zum islamistischen Extremismus aufgefallen war. Bei einem derer, die sich in die Luft sprengten, wurde ein syrischer Pass gefunden. Griechische Behörden sagten, der Inhaber des Passes sei am 3. Oktober als Flüchtling über die Insel Leros in die EU eingereist und dort identifiziert worden. Nun sollen die Fingerabdrücke mit denen der Leiche abgeglichen werden.
Drei Selbstmordattentäter nahmen nach offiziellen Angaben am Freitagabend das Stade de France ins Visier, wo gerade das Fußballspiel Frankreich gegen Deutschland lief. Allein 89 Menschen kamen ferner in der Konzerthalle Bataclan beim Konzert einer US-Band ums Leben. Dort drangen die mit Maschinengewehren bewaffneten Angreifer ein und nahmen zeitweise rund 100 Geiseln. Als die Polizei einrückte, sprengten sich drei mit Sprengstoffgürteln in die Luft. Einen Attentäter erschoss die Polizei.
Außerhalb des Bataclan sprengte sich ein weiterer Attentäter auf dem Boulevard Voltaire in die Luft. Weitere Tatorte waren ein Restaurant im 10. Arrondissement und mehrere andere Lokale.
Hollande verhängte den Ausnahmezustand und mobilisierte Hunderte Soldaten. Touristenattraktionen wie der Eiffelturm wurden geschlossen, auch Kinos blieben zu. Drei Tage herrscht nun Staatstrauer.
Unter Flüchtlingen ließen die Terroranschläge große Sorge aufkommen. Der Syrer Abdul Selam meinte, er befürchte, dass Flüchtlinge jetzt als „potenzielle Angreifer“ angesehen werden. Die Attacken in Paris glichen genau dem, wovor sie geflohen seien, sagte ein anderer Flüchtling aus dem Irak
