Oldenburg - Zum Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs zeigt Werkstattfilm am Sonntag, 8. Mai, ab 16 Uhr im Kinoladen (Wallstraße 24) seine Filmproduktion „Wir glaubten, die Sonne geht nicht wieder auf“ über den verdrängten und vergessenen Oldenburger NS-Prozess der 1960er-Jahre.

Kowel in der heutigen Westukraine war vor dem Zweiten Weltkrieg eine Stadt mit einer jüdischen Gemeinde von enormer kultureller Bedeutung und Vielfalt. Während der von Juni 1941 bis Anfang 1944 andauernden deutschen Besatzungszeit wurde die jüdische Bevölkerung fast vollständig vernichtet.

Maßgeblich beteiligt an diesem Verbrechen waren zwei Männer: Erich Kassner, als Gebietskommissar Chef der örtlichen deutschen Zivilverwaltung, und der Polizeimeister Fritz Manthei. Erst knapp 20 Jahre nach Kriegsende spürte die deutsche Justiz diese Männer auf und zog sie für ihre Taten zur Verantwortung. Dreizehn Monate dauerte der damalige Prozess vor dem Landgericht Oldenburg. Er stellt eines der umfangreichsten Verfahren der Oldenburger Justizgeschichte dar. Der Verein „Werkstattfilm“ hat diesen Prozess und seine historischen Hintergründe anhand der erstmals ausgewerteten Prozessakten, Interviews mit Zeitzeugen sowie Filmaufnahmen an Originalschauplätzen in der Ukraine und Israel aufgearbeitet. Einige der Zeitzeugen traten bereits im Prozess auf. Zu Wort kommen u. a. einer der am Prozess beteiligten Richter, Dr. Rolf Rickhey (91), sowie Zvi Grinblatt.

Der Film war die bislang aufwendigste Produktion in der 20-jährigen Werkstattfilm-Geschichte. Die Recherchen des zwölfköpfigen Filmteams um Farschid Ali Zahedi dauerten vier Jahre. Insgesamt halfen gut 40 Personen mit.