Athen - Nach dem Wirbel um das Stinkefinger-Video aus der Günther-Jauch-Sendung vom Sonntag hat der griechische Finanzminister Gianis Varoufakis im Kurznachrichtendienst Twitter die komplette Aufnahme seines 2013 gehaltenen Vortrags veröffentlicht. In dem eine Stunde langen Video ist der nach oben gereckte Mittelfinger zu sehen. „Ist jemand an der Wahrheit interessiert?“, schreibt der Minister und lässt einen anderen die Frage beantworten, ob er Deutschen den Stinkefinger gezeigt hat.

„Nein“, sagt Srecko Horvat, Organisator des Subversive Festivals, auf dem das besagte Video entstand, in einem am Montag veröffentlichten Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Varoufakis reckte nicht „den Mittelfinger gegen die Deutschen“. In Zagreb habe Varoufakis – damals noch Wirtschaftsprofessor – über die Zeit im Mai 2010 gesprochen, als Athen den deutschen Steuerzahlern noch keinen Euro geschuldet habe.

„Sein Argument lautete, Griechenland hätte damals gegenüber den privaten Gläubigern in Konkurs gehen sollen, statt sich von den europäischen Partnern einen riesigen Kredit geben zu lassen. Der Finger wurde also aus dem Zusammenhang gerissen und absichtlich so interpretiert, als hätte sich der Finanzminister gegen die Rückzahlung der Schulden an Deutschland ausgesprochen und Deutschland den Finger gezeigt“, so Horvat.

Zur Veröffentlichung der Langfassung seines Auftritts schrieb Varoufakis auf Twitter: „Und hier ist das nicht von skrupellosen Medien verfälschte Video.“ Nach der Sendung hatte der Minister betont, das Video sei gefälscht, der ausgestreckte Mittelfinger hineinmontiert worden. Dagegen erklärte die Redaktion, es gebe keine Anzeichen von Manipulation oder Fälschung.

Nach der Sendung am Sonntagabend räumte NDR-Fernsehchefredakteur Andreas Cichowicz allerdings ein, dass man deutlicher hätte hervorheben müssen, dass sich Varoufakis auf die Lage in Griechenland im Jahre 2010 bezog.