Brasília - Joesley Batista ist weg, aus Sicht von Brasiliens Präsident in die USA geflüchtet, er will ihn rasch hinter Schloss und Riegel sehen. „Aber er ist frei und spaziert jetzt durch die Straßen New Yorks“, ereifert sich Michel Temer. Es ist das Duell zweier Alphatiere, ein Showdown. Am Ende könnten beide stürzen.
Was ans Licht kommt, ist schier unfassbar, erklärt aber, wie Batista den Umsatz seines Fleischkonzerns JBS seit 2007 vervierzigfachen konnte: Joesley Batista kommt aus dem von Viehzucht geprägten Bundesstaat Goiás, er arbeitete früh im Fleischunternehmen seines Vaters mit, José Batista Sobrinho, die drei Initialen stehen heute für JBS. In Rekordtempo wuchs der Konzern zum größten Fleischproduzenten der Welt.
Mit gerade mal 44 Jahren ist Batista steinreich. Aber seit einigen Monaten wird klar, wie er zu diesem Reichtum kam. JBS soll über eine staatliche Entwicklungsbank laut dem Portal „O Globo“ umgerechnet 1,37 Milliarden Euro an Krediten bekommen – und am Ende die öffentlichen Kassen um mehr als 300 Millionen Euro geprellt haben.
Scheinbar viel Dreck am Stecken entschloss er sich nun, bei der Bundesjustiz auszupacken: Rund 500 Millionen Reais (137 Mio Euro) hat JBS der Politik zukommen lassen. Drei Präsidenten, 167 Abgeordnete und 1829 Kandidaten bei Wahlen sollen profitiert haben. Nach dem Ölkonzern Petrobras und dem Baukonzern Odebrecht ein neuer Korruptionsskandal.
Batista traf sich im März mit Temer, ließ ein in der Hose verstecktes Aufnahmegerät mitlaufen. Der Mitschnitt des Gesprächs, in dem Temer offenbar Schweigegeldabsprachen unterstützt, um einen Mitwisser über all die illegalen Deals ruhig zu halten, fand den Weg in die Öffentlichkeit, wie auch Fotos einer Geldkofferübergabe an einen Temer-Vertrauten.
Temer steht seither am Rande des Sturzes, ihm droht ein Amtsenthebungsverfahren, wenn er nicht von sich aus aufgibt. Nach Krisengesprächen am Wochenende wird der Mittwoch zum entscheidenden Tag: Dann will der Oberste Gerichtshof über Temers Antrag entscheiden, die Strafermittlungen gegen ihn auszusetzen. Wenn diese fortgeführt werden, droht ihm der Verlust unter anderem des größten Partners, der sozialdemokratischen PSDB. Ein Ende der Koalition dürfte gleichbedeutend mit dem Aus auch für ihn selbst sein.
