Oldenburg - Das Titelbild zur „Werkstattfilm“-Veranstaltungsreihe „Meine Stimme hat keine Heimat“ ist eine Collage: Oben ist ein verblasstes Foto zu sehen. Es zeigt Alfred Nehring, der später Oldenburgs Bürgermeister wurde, als kleinen Jungen mit seiner Mutter. Beide fanden sich erst fünf Jahre nach dem 2. Weltkrieg und der Vertreibung aus Hinterpommern in Oldenburg wieder. Die Stadt wurde zu ihrer neuen Heimat. Die untere Hälfte des Plakats enthält ein Foto mit fliehenden Menschen, das die aktuelle Flüchtlingskrise dokumentiert. Dazwischen tauchen orientalische Muster auf. „Wir schlagen einen Bogen von der Vergangenheit zur Gegenwart“, sagt „Werkstattfilm“-Vorsitzender Farschid Ali Zahedi.
„Flüchtlinge gehören zur DNA der Stadt“, sagt der gebürtige Iraner, der selber auf eine Geschichte als Flüchtling zurückblickt. Er war 1985 aus dem Iran nach Deutschland gekommen. In seiner Heimat hatte er Journalismus studiert und wurde politisch verfolgt.
Etwa 35 Veranstaltungen zu den Themen Flucht, Verantwortung und Identität sind nun bis März 2017 bei „Werkstattfilm“ an der Wallstraße 24 geplant. Sechs Monate lang hat ein Team um Ali Zahedi (56) sowie Yvonne Rasch (30) und Stella Rüger (27) das aus Vorträgen, Filmen, Workshops, einer Ausstellung, einem Kreativwettbewerb und einer szenischen Lesung bestehende Programm vorbereitet. Die Reihe wird von „Werkstattfilm“, seinem Förderverein und dem Verein Niedersächsischer Bildungsinitiativen präsentiert. Das Niedersächsische Sozialministerium unterstützt das Projekt mit 14 400 Euro.
„Wir wollen das Thema Flucht aus ganz unterschiedlichen Perspektiven beleuchten“, sagt Stella Rüger. „Für uns ist die Beschäftigung damit so etwas wie eine Verpflichtung“, betont die 27-Jährige. Bereits seit 20 Jahren würden sich Werkstattfilm-Mitarbeiter mit den immer wiederkehrenden und vieldiskutierten Themen Flucht, Asyl, Rassismus sowie Heimat und Entwurzelung befassen.
„Persönliche Sichtweisen stehen bei diesem aktuellen Projekt im Mittelpunkt“, ergänzt Yvonne Rasch. Ein Beispiel sind die Handy-Fotos der Afghanen Ali Azad und Ali-Adel Yusfi, die eindrückliche Momente ihrer Flucht über das Mittelmeer in einer Ausstellung dokumentieren.
