Hude - Vertrauen schaffen, Vertrauen erhalten: Das war das Ziel von Bürgermeister Holger Lebedinzew und Sozialdezernent Bodo Bode vom Kreis Oldenburg bei einem Informationsabend zum Thema Flüchtlinge am Donnerstagabend in der Aula der Peter- Ustinov-Schule. Rund 60 Zuhörer fanden sich ein.
„Eine Bürgerversammlung beruft man nicht einfach so ein. Der Anlass ist ernst“, betonte Bodo Bode. 950 000 Flüchtlinge seien in diesem Jahr bereits nach Deutschland gekommen, 1000 erreichten Niedersachsen derzeit pro Tag.
Wohnraum gesucht
Das mache die Einrichtung von weiteren Notunterkünften und Wohngebäuden im Kreis Oldenburg notwendig. Die ehemalige Zählerwerkstatt des OOWV in Pfahlhausen werde derzeit als mögliche Unterkunft für mehr als hundert Flüchtlinge geprüft.
„Die Tendenz ist, dass das wohl passieren kann, da uns die Entwicklung dazu zwingt“, sagte Bode. Der Wohnungsmarkt sei bereits angespannt. „Die Lage ist ernst und bleibt auch ernst, solange die große Politik den Zustrom nicht stoppt.“
Die Mitarbeiter des Kreises bereiteten sich bereits vor, auch an Weihnachten zu arbeiten. „Wie wir weiterhin 30 000 Menschen pro Monat schaffen sollen, vermag noch keiner zu sagen. Wir können uns dem Auftrag nicht entziehen. Nur, wenn wir ihn annehmen, können wir das Problem auch lösen“, sagte Bodo Bode.
Der Bürgermeister lobte vor allem die Leistung der Ehrenamtlichen in Hude und die des Netzwerks Asyl, dem sich mittlerweile rund 80 Helfer angeschlossen hätten. Für Integration gebe es bislang keine behördliche Zuständigkeit, deswegen sei es wichtig, dass diese vor Ort funktioniere.
Nach einem kurzen Zögern brach das Eis und Fragen wurden gestellt, die ausführlich beantwortet wurden. Werden die Menschen aus sicheren Herkunftsländern abgeschoben? Es würde irgendwann so sein, dass Menschen, etwa aus dem Balkan, direkt aus einer Erstaufnahmeeinrichtung zurückgeführt würden, erklärte Bodo Bode. Im Moment werde lediglich improvisiert.
Gemeinde protestiert
Ob die Aufnahme, etwa durch einen Bürgerentscheid, zu vermeiden sei? „Wir in Hude haben das nicht in der Hand“, sagte Bürgermeister Lebedinzew. Die Gemeinde gebe bereits deutliche Signale über den Städte- und Gemeindebund nach Berlin, mehr könne Hude demokratisch nicht tun. Auch die Möglichkeit, Flüchtlinge mit Arbeit zu beschäftigen, wurde behandelt.
Die Sorge um die medizinischen Versorgung am in Prüfung befindlichen Standort in Pfahlhausen wurde laut. Bodo Bode konnte beruhigen: „Die wird weiterhin in Wildeshausen erfolgen. “
Auch Vergleiche zur Nachkriegszeit wurden angesprochen: Hude hätte 1000 Flüchtlinge, auch Katholiken, aufnehmen müssen, was damals nicht ohne Konflikte möglich war. Im Laufe der Zeit habe das Hude aber gut getan. Für diese Wortmeldung gab es großen Applaus. Der Bürgermeister dankte anschließend für das Vertrauen.
