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NWZonline.de Nachrichten Politik

Folterknecht nach 30 Jahren vor Gericht

18.02.2009

PHNOM PENH Mit versteinertem Gesicht sitzt der einstige Folterknecht vor seinen Richtern. Kaing Guek Eav (66), genannt Duch, der frühere Chefhenker des mörderischen Rote-Khmer-Regimes in Kambodscha beugt sich vor, hört zu, schreibt mit. Im Zuschauerraum hinter einer kugelsichern Glasscheibe ringen zwei alte Männer um Fassung. „Die Massenmörder haben uns um die Zukunft gebracht“, murmelt einer. Mehr als 30 Jahre nach dem Ende der Gewaltorgien der Rote-Khmer-Fanatiker hat am Dienstag die juristische Aufarbeitung der Geschichte begonnen.

Rund 1000 Zuschauer, Opfer, Prozessbeobachter und Reporter sind in das Völkermord-Tribunal außerhalb von Phnom Penh geströmt. „Mit diesem Auftakt beginnen endlich die Prozesse, die zu einem Ende der Straflosigkeit für dieses grausame Regime führen“, sagte der deutsche Staatsanwalt Jürgen Aßmann, der der kambodschanischen Chefanklägerin Chea Leang assistiert. Hier sollen die Verbrechen gegen die Menschlichkeit gesühnt werden, die die Roten Khmer in ihrem Wahn von 1975 bis 1979 begingen. Sie wollten eine Agrar-Utopie und mordeten dafür. Hunderttausende starben bei Fronarbeit auf Feldern oder verhungerten – zwei Millionen Menschen kamen insgesamt um.

Duch leitete das berüchtigtste Folterzentrum Tuol Sleng, „S21“ genannt. Sieben Menschen überlebten die Hölle, 16 000 wurden dort gefoltert und umgebracht. Der frühere Lehrer mit dem damals aufbrausenden Temperament soll viele Folterungen persönlich überwacht haben. Heute sitzt der Mann mit dem grauen Haar hinter seinem französischen Verteidiger. In der Mitte präsidieren fünf Richter in Rot – drei Kambodschaner, ein Franzose und eine Neuseeländerin – über das Geschehen.

Duch ist geständig und will seine Strafe akzeptieren. Duchs Zellennachbarn sind einige der noch lebenden Mitglieder des Führungszirkels um den Tyrannen Pol Pot, darunter dessen Stellvertreter Nuon Chea, Ex-Außenminister Ieng Sary sowie Ex-Staatschef Khieu Samphan.

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