Solo-selbstständige Künstler haben in der Pandemie quasi Berufsverbot, sagt Lars Alt (FDP). Zumindest für Open-Air-Veranstaltungen müsse es jetzt Perspektiven geben.

Herr Alt, wie stark leidet die Kulturszene unter dem Lockdown?

Alt Es leiden vor allem die Künstler, die als Solo-Selbstständige auf Honorarbasis arbeiten. Sie haben de facto ein Berufsverbot und dürfen seit einem Jahr das nicht machen, wofür sie sich trotz der Risiken entschieden haben. Das ist nicht nur eine finanzielle, sondern vor allem eine emotionale Belastung.

Zweitjüngster Abgeordneter im Landtag

Lars Alt (FDP) ist mit 29 Jahren der zweitjüngste Abgeordnete des Niedersächsischen Landtags. In seiner Fraktion ist er Sprecher für Kultur. Alt lebt im Landkreis Helmstedt und ist seit 2015 Landesvorsitzender der Jungen Liberalen.

Wie könnte denn eine „Exit-Strategie“ aussehen?

Alt Wir wollen, dass im Bundesinfektionsschutzgesetz und der Landesverordnung unterschieden wird zwischen Indoor- und Open-Air-Kulturveranstaltungen. Bislang werden alle Kulturveranstaltungen über einen Kamm gekehrt. Zweitens soll eine „Task-Force“ zeitnah Schnelltest, Infektionsschutz- und Hygienekonzepte aufstellen. Diese standardisierten Verfahren könnten unbürokratisch für Kulturveranstaltungen genutzt werden

Die Veranstalter müssen finanziell in Vorleistung treten. Was passiert, wenn das Event wegen hoher Infektionszahlen doch ausfallen muss?

Alt Genau deswegen fordern wir einen Fonds, der größere Kulturveranstaltungen finanziell absichert. Im Fall einer Absage müsste das Land einspringen und beispielsweise Künstlerhonorare oder Technik bezahlen.

Wie bewerten Sie die Landtagsdebatte zu dem Thema? Werden die Regierungsfraktionen mehr für die Kultur tun?

Alt Ich fürchte nicht. Der Ministerpräsident hat schon im Vorfeld gesagt, das Bundesinfektionsschutzgesetz sei „unschädlich“. Bis zum 9. Mai soll die Landesverordnung nicht geändert werden. Es geht aber darum, jetzt eine Perspektive zu schaffen. Wenn in der nächsten Verordnung keine Lockerung für den Open-Air-Bereich stehen, wird der Kultursommer 2021 in Niedersachsen ausfallen.

Stefan Idel
Stefan Idel Landespolitischer Korrespondent