Sandelermöns - Der Libanon war einst eine waldreiche Landschaft und vergleichbar mit Skandinavien, beschreibt Forstdirektor i. R. Rainer Köpsell das Land im Osten des Mittelmeers. Der ehemalige Direktor des Forstamts in Seelhorn bei Bispingen mit familiären Verbindungen nach Sandelermöns begleitete 2012 ein EU-Projekt zur „Verbesserung der Landnutzung und der Lebensbedingungen der Landbevölkerung“ im Norden des Landes.
Rainer Köpsell, der in Reepsholt wohnt, referierte beim Teeabend des Landvolkvereins Cleverns-Sandel-Möns vor vielen bekannten Gesichtern.
Die unruhige Geschichte des Libanons mit seinen wechselnden Fremdherrschern brachte viel Leid über die Menschen und auch die Landschaft hat gelitten, beklagte Köpsell. Denn ein großer Teil der Waldlandschaft wurde gerodet, abgeholzt und nicht wieder aufgeforstet. Um die Verwüstungen und Kahlschläge der einstigen Eichen-, Zedern- und Kiefernbestände zu beheben, erstellte Köpsell als Gutachter ein Schutz- und Nutzungskonzept.
Im März reist der Forstfachmann wieder in den Libanon, dann beginnt die Schulung der Waldbesitzer und des Forstpersonals für eine wirtschaftliche und nachhaltige Waldnutzung und -Pflege „Denn noch ist Holz im Libanon Mangelware“, sagte er.
Köpsell verstand es in seinem Vortrag, viel über den Libanon zu vermitteln ohne zu langweilen. Er stellte das Land und seine Menschen vor. Vor und nach dem Bürgerkrieg 1975 bis 1990 sind viele Libanesen ausgewandert und schicken heute als Wohlhabende aus Afrika oder Amerika viel Geld ins Land. „Armut herrscht vornehmlich in den Bergregionen“, so Köpsell. Die Libanesen seien gebildet und sprechen fast alle Arabisch, Französisch und Englisch. „Und es zeigen sich Ansätze für eine Annäherung der Religionen zu einem Miteinander, wie es vor dem Bürgerkrieg bestand“, meint er.
Anders als in Deutschland seien die jüngeren Menschen in der Überzahl. Köpsell stellte die Menschen im Libanon als offen und zugänglich, geprägt von großer Gastfreundschaft vor. Doch die Regierung sei schwach und das Land ist instabil. Probleme bereiten dem Land die seit 50 Jahren bestehenden riesigen Palästinenserlager. Er hoffe, dass von Syrien aus keine kriegerischen Milizen Kriegsschauplätze in dem aufstrebenden Land entwickeln und die dadurch demokratische Entwicklung beeinflussen.
