Deutschland ist Lena. Spätestens seit Samstagabend. Eine 19-jährige Abiturientin aus Hannover singt sich beim Eurovision Song Contest auf Platz 1 – und versetzt die Nation in kollektiven Freudentaumel.
Nun liegt der letzte deutsche Grand-Prix-Sieg in der Tat die Kleinigkeit von 28 Jahren zurück. Derart erfolgsentwöhnt, darf man schon mal aus dem Häuschen geraten. Gleichwohl: Der Rummel um und die Begeisterung für Lena sprengt diesen Rahmen. Ein Fräuleinwunder, das Fragen nach dem Warum aufwirft.
Mindestens zwei Antworten liegen auf der Hand.
Viele Menschen sehen sich augenblicklich einem Stakkato aus schlechten Nachrichten ausgesetzt. Da kommt die gute Nachricht aus Oslo daher wie Balsam für die Seele.
Zum anderen stellt Lena Meyer-Landruts Erfolg einen Gegen-Entwurf dar zu menschenverachtenden Casting-Shows, deren Gegner sich mehren. Ohne Vorstrafenregister und Seelen-Striptease, nur mit schlicht schwarzem Kleidchen und kesser Lippe lässt sich eben auch singen, sogar siegen. Und das gefällt.
