FRANKFURT/MAIN - Der US-Autokonzern General Motors (GM) geht nach der massiven Konfrontation mit Regierungen und Belegschaften in Europa auf Versöhnungskurs. Neuer Chef des Europageschäfts um den Autobauer Opel soll nach Möglichkeit ein Deutscher werden, damit die Spannungen nicht noch weiter eskalieren, hieß es am Wochenende aus Konzernkreisen. Anfang der Woche werden ein Besuch von GM-Chef Fritz Henderson in Deutschland und die Vorlage eines Zukunftskonzepts erwartet.

Die Debatte um staatliche Unterstützung für Opel geht derweil unvermindert weiter. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) äußerte sich skeptisch zu weiteren staatlichen Hilfen.

Nach dem Platzen der Übernahme von Opel durch ein Konsortium um den Autozulieferer Magna hatte General Motors personelle Konsequenzen gezogen. Der bisherige Europachef Carl-Peter Forster, der sich für den Verkauf eingesetzt hatte, verlässt seinen Posten. Als Nachfolger Forsters im Opel-Aufsichtsrat ist für eine Übergangszeit der 77 Jahre alte GM-Veteran Bob Lutz im Gespräch.

Als vorübergehender GM-Europachef wird der Manager Nick Reilly gehandelt, der als harter Sanierer gilt und auf Widerstand bei den Gewerkschaften stößt. Ein Kompromiss könnte der aus Wien stammende Magna-Manager Herbert Demel sein. Er hatte sich selbst einmal eher als „Entwicklungshelfer für menschliche Potenziale“ denn als Kostenkiller bezeichnet. Demel hat bereits für verschiedene europäische Autobauer gearbeitet.

Ob General Motors die Sanierung seines Europageschäfts nun auf eigene Faust stemmen will oder erneut um Staatshilfe bittet, wird voraussichtlich das Zukunftskonzept zeigen. Nach einer Umfrage lehnt die Mehrheit der Bundesbürger staatliche Hilfen ab. 66 Prozent sind dagegen, nur 28 Prozent dafür.

Bundeswirtschaftsminister Brüderle betonte, GM könne zwar – wie jedes andere Unternehmen auch – Hilfen aus dem Wirtschaftsfonds Deutschland beantragen, es gebe aber „kein Anrecht auf staatliche Hilfe“. Ein solcher Antrag könne auch abgelehnt werden, wenn das Konzept als nicht tragfähig erscheine.

General Motors will gut 10 000 der mehr als 50 000 Jobs in Europa streichen.