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Missbrauch Auch Schüler quälten Schüler

Karina Scholz

FRANKFURT - An der Odenwaldschule im hessischen Heppenheim sind Schüler offenbar noch bis in die 90er Jahre von Lehrern sexuell missbraucht worden. Die Schulleiterin Margarita Kaufmann sagte am Mittwoch, es lägen Berichte von betroffenen Schülern aus dem Jahr 1991 vor. Missbräuche bis weit in die 90er Jahre könne sie derzeit nicht ausschließen. Laut „Frankfurter Rundschau“ ging 1998 ein Hinweis über die Missbrauchsfälle beim hessischen Kultusministerium ein. Der ehemalige Minister Hartmut Holzapfel (SPD) bestreitet dies. Er habe während seiner Amtszeit von 1991-1999 nichts von den Vorwürfen gewusst.

Schon etwa 40 Opfer

Die Zahl der Missbrauchsopfer liegt dem Bericht zufolge derzeit bei etwa 40. Kaufmann sagte der Zeitung, es hätten sich Opfer gemeldet, die von „furchtbaren Misshandlungen von Schülern an Schülern“ berichteten. Zu den Misshandlungen habe etwa das Versengen und Verbrühen von Genitalien gehört. Vier Ex-Schüler, die missbraucht worden sein sollen, begingen angeblich Selbstmord.

Mehrere Schüler hätten zudem einen Vorfall beschrieben, bei dem ein gefesselter Schüler von Mitschülern missbraucht worden sei, während ein Lehrer untätig danebengestanden habe, berichtete die Zeitung weiter. Derselbe Lehrer werde beschuldigt, in seiner Zeit an der Schule sowohl Jungen als auch Mädchen missbraucht zu haben. Er sei bis 1999 an der Schule tätig gewesen.

Dem Blatt zufolge war das Kultusministerium weitaus früher über den Missbrauchsskandal an der Schule informiert als bisher bekannt. Bereits seit August 1998 habe der damalige Kultusminister Holzapfel von den Vorwürfen gegen den ehemaligen Rektor Gerold Becker gewusst. Dennoch sei Becker noch bis November 1999 offiziell Berater des Ministeriums geblieben.

Holzapfel, so ein weiterer Bericht, bestreite dies. „Sie können sicher sein, dass ich das nicht für mich behalten hätte“, sagte Holzapfel. Er hätte Becker in einem solchen Fall auch sofort von seiner Tätigkeit als Berater des Ministeriums entbunden.

Der Altschüler-Vertreter Marc Tügel sagte, Priorität müsse nun haben zu erfahren, wer bei den Missbräuchen beteiligt gewesen sei und wer davon gewusst habe. Tügel bekräftigte seine Zustimmung zur Aufklärungsstrategie der Odenwaldschule. „Das, was jetzt passiert, ist der einzig richtige Weg“, sagte er mit Blick auf den Rücktritt von fünf der sieben Vorstandsmitglieder der Schule Ende März. Auch die Anstrengungen von Schulleiterin Kaufmann um Aufklärung würdigte er.

„Frühzeitig informiert“

Die Linksfraktion im hessischen Landtag monierte unterdessen, es werde „immer deutlicher, dass nicht nur weit mehr Kinder und Jugendliche Opfer sexueller Gewalt geworden sind, sondern vor allem, dass auch einzelne Politiker frühzeitig informiert waren“. Der rechtspolitische Sprecher der Fraktion, Ulrich Wilken, bezog sich dabei auf die Vorwürfe gegen Holzapfel sowie die Vorsitzende des Runden Tisches Heimerziehung, Antje Vollmer (Grüne). Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ hatte berichtet, Vollmer sei 2002 von einem Lehrer der Odenwaldschule über die Missbrauchsvorwürfe gegen Becker informiert worden und habe dazu nicht öffentlich Stellung bezogen.

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