Stapelfeld - Als Meilenstein päpstlicher Sozialverkündigung hat der Osnabrücker Sozialethiker Prof. Dr. Andreas Lienkamp die neue Umweltenzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus am Montagabend in der Katholischen Akademie Stapelfeld (KAS) bezeichnet. Bei der anschließenden Podiumsdiskussion unter der Leitung der KAS-Mitarbeiter Bernd Kleyboldt und Dr. Marc Röbel mit Weihbischof Heinrich Timmer­evers, dem Oldenburger IHK-Präsidenten Gert Stuke und Landrat Johann Wimberg klang immer wieder Respekt vor dem Papier durch.

Der Papst – so Lienkamp vor 70 Zuhörern – lege den Finger in die Wunde und benenne die Ursachen vieler Fehlentwicklungen. Detailliert gehe er auf globale Umweltprobleme und die Vernichtung von Ressourcen ein. Die Natur werde vom Menschen zu einem reichen Gebrauchsgegenstand degradiert, mahnt Franziskus, niemals zuvor habe die Menschheit ihr gemeinsames Haus so zerstört wie in den letzten Jahrzehnten. Die Lasten dieses Raubbaus trügen vor allem die Menschen ärmerer Länder. Kohleabbau, Atomkraft, Raubbau an der Natur, Flächenversiegelung, Menschenrechte, Verschwendung von Lebensmitteln, Klimawandel, Müllprobleme, Wasserverteilung, Zügellosigkeit der (Finanz-)Märkte, die Gier nach Maximalgewinn, Massenkonsum, Ungerechtigkeit in Welthandel und daraus resultierend Armut, Hunger, Migration. Als starkes Dokument mit Tiefgang bezeichnete Weihbischof Timmerevers die Enzyklika. Besonders das Bild vom gemeinsamen Haus, das es zu schützen gelte, sei ihm unter die Haut gegangen.

IHK-Präsident Stuke gab zu, dass es in der Wirtschaft massive Fehlentwicklungen gebe. Die Enzyklika könne hier Orientierungshilfe leisten. Die IHK Oldenburg habe schon einen Transformationsprozess angestoßen, den die Universität Vechta wissenschaftlich begleite. Er sehe in der Wirtschaft durchaus die Bereitschaft, bei Fehlern nachzujustieren, forderte aber einen gleichberechtigten Dreiklang von Ökonomie, Ökologie und sozialer Marktwirtschaft. „100 Prozent Öko geht nicht.“

Nicht als Drohbotschaft, aber als gelungene Einladung an alle, mitzuwirken, und als ständige Aufforderung, sich zu hinterfragen, sah Landrat Wimberg die Enzyklika. Auch im Landratsamt würden oft Umweltthemen diskutiert, doch seine Behörde sei an viele Gesetze und Vorgaben gebunden. Hinsichtlich der auch vom Publikum engagiert diskutierten niedrigen Lebensmittelpreise in Deutschland appellierte er an die Konsumenten, nicht immer nur auf „billig“ zu schauen. Allerdings, gab er zu, müsse man sich das leisten können.