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NWZonline.de Nachrichten Politik

Frau bei Explosion von Briefbombe verletzt

17.03.2017

Paris Nach der Explosion eines Pakets im Pariser Büro des Internationalen Währungsfonds (IWF) hat Frankreichs Präsident François Hollande von einem Anschlag gesprochen. Eine IWF-Sekretärin wurde am Donnerstag von Splittern im Gesicht verletzt. Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen. Polizeipräfekt Michel Cadot sagte, es scheine sich um eine Art Feuerwerkskörper oder einen großen Böller gehandelt zu haben. „Das ist keine Bombe.“

Nach offizieller Darstellung aus Athen soll dieses Paket, ebenso wie zuvor ein Briefbombe an das deutsche Finanzministerium in Berlin, aus Griechenland verschickt worden sein. „Als angeblicher Absender erschien der Name Vassilis Kikilias“, sagte Bürgerschutzminister Nikos Toskas am Donnerstagabend dem griechischen Fernsehsender ANT1. Kikilias ist der Sprecher der oppositionellen griechischen konservativen Partei Nea Dimokratia.

Hinter dem Anschlag vermutete Toskas eine autonome Linksgruppierung. „Die Konspiration der Feuerzellen“ hatte schon am Vormittag die Verantwortung für die Briefbombe an das Finanzministerium in Berlin übernommen. Der Sprengsatz konnte rechtzeitig entschärft werden.

Kreise des Bürgerschutzministeriums schlossen am Donnerstagabend nicht aus, dass auch andere ähnliche Briefbomben unterwegs sein könnten. Die linksterroristische Organisation der „Feuerzellen“, wie man sie kurz in Griechenland nennt, hatte bereits 2010 Paketbomben an verschiedene Politiker verschickt, darunter an Kanzlerin Angela Merkel und den damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy sowie an den damaligen italienischen Regierungschef Silvio Berlusconi. Die Bomben wurden rechtzeitig entschärft. Die Mitglieder der „Feuerzellen“ wurden 2011 festgenommen, die Organisation galt seither als zerschlagen.

Der IWF und das Bundesfinanzministerium spielen beide eine wichtige Rolle bei den Verhandlungen der griechischen Regierung mit ihren internationalen Geldgebern.

Das IWF-Paket war an das Sekretariat des Vertreters des Fonds in Frankreich geliefert worden, dessen Büros sich nicht weit vom Prachtboulevard Champs Élysées befinden. Die Sendung explodierte, als die Sekretärin sie öffnete. Bei ihr bestehe aber keine Lebensgefahr. Die Schäden im Büro seien sehr begrenzt.

„Wir stehen heute erneut einem Anschlag gegenüber, es gibt kein anderes Wort, wenn es um ein Paket mit Sprengladung geht“, sagte Präsident Hollande am Rande eines Besuchs in Toulon. „Wir müssen die Hintergründe aufklären und die Schuldigen finden.“ Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung wegen versuchten Mordes im Zusammenhang mit Terrorismus ein, wie aus Justizkreisen verlautete. Die Ermittlungen wurden der Anti-Terror-Abteilung der Kriminalpolizei und dem Inlandsgeheimdienst DGSI anvertraut.

IWF-Chefin Christine Lagarde erklärte: „Ich verurteile diesen feigen Gewaltakt und bestätige die Entschlossenheit des IWF, unsere Arbeit in Übereinstimmung mit unserem Mandat fortzusetzen.“ Die Organisation arbeite eng mit den Behörden zusammen, um den Vorfall aufzuklären. Der Hauptsitz des IWF ist in der US-Hauptstadt Washington.

Nach dem Fund in Berlin wollen die Ermittler nun eng mit ihren griechischen Kollegen zusammenarbeiten. Man werde in Kontakt treten, um die Echtheit eines Bekennerschreibens der linken Untergrundorganisation „Konspiration der Feuerzellen“ zu prüfen, sagte ein Polizeisprecher.

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