Neuenburg - Es war eiskalt in den Wintern zwischen 1945 und 1947. Der Zweite Weltkrieg war gerade vorbei und die Menschen hatten so gut wie nichts. In ihrer Not zogen sie ins Neuenburger Holz und fällten Bäume, um Brennholz zum Heizen zu haben. Damals war das Neuenburger Holz 48,5 Hektar groß. Heute sind noch 23 Hektar übrig.
Leistung würdigen
Im Zweiten Weltkrieg wurden viele Wälder weitgehend abgeholzt, und nach dem Krieg waren es Frauen, die die Flächen wieder aufgeforstet haben. Diese sogenannten Kulturfrauen sucht nun Rainer Städing im Auftrag der Niedersächsischen Landesforsten.
Die Niedersächsischen Landesforsten wollen die Leistungen der Frauen würdigen und außerdem Zeitzeugenberichte und Dokumente über die Kulturfrauen sammeln und damit für die Nachwelt erhalten (siehe Infobox).
Die Übernutzung der Wälder, die bereits im Krieg begann, war zum Teil eine Folge der Reparationshiebe für die Alliierten, genannt Engländerhiebe, Franzosenhiebe und Holländerhiebe – je nach Gegend.
Doch nur zehn Prozent der abgeholzten Bäume gingen als Reparation an die Alliierten. Die restliche Übernutzung geschah, um den Brennholzbedarf der Bevölkerung zu decken. Im Neuenburger Holz wurde vor allem zwischen dem jetzigen Urwald und der Urwaldstraße von Zetel nach Bockhorn gefällt.
Im Schweinebrücker Fuhrenkamp gab es früher die gleichnamige Försterei mit einer großen Forstbaumschule, die vor wenigen Jahrzehnten aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen wurde. Der vor einigen Jahren sanierte historische Schafstall diente als Maschinenschuppen für den Pflanzgarten, wie die Förster ihre Baumschulen auch nannten. In dieser Forstbaumschule im Schweinebrücker Fuhrenkamp waren bis zum Schluss drei Kulturfrauen als Saisonarbeiterinnen beschäftigt.
Die Kulturfrauen waren nach dem Krieg in großer Zahl im Einsatz. Sie pflanzten, pflegten die Flächen und kümmerten sich um die noch weit verbreiteten Pflanzgärten. In der Regel waren sie nur im Sommer angestellt und wurden als sogenannte Leichtlohngruppe bezahlt.
Männerdomäne
Heute gibt es keine Kulturfrauen mehr. Auch der Beruf des Forstwirtes ist weiter eine Männerdomäne – bei den Niedersächsischen Landesforsten gibt es gerade zwei Frauen, die Forstwirtinnen sind. In den fünfziger Jahren waren noch etwa die Hälfte der Forstarbeiter weiblich.
