FRIESLAND - Das war’s dann also. 40 Jahre lang hat Herbert Lahl im Schortenser Rat und im Kreistag politische Ämter bekleidet, war eine der Galionsfiguren der friesländischen CDU, war lange Jahre Ratsmitglied und Bürgermeister in Schortens und wurde für sein kommunalpolitisches Wirken vor wenigen Jahren sogar mit dem Ehrenring der Stadt Schortens gewürdigt und mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

Dass Herbert Lahl, der aus Altersgründen jetzt von der kommunalpolitischen Bühne abtritt, zugleich auch aus der CDU austreten würde, das hätte der Schortenser bis vor kurzem nicht für möglich gehalten.

Doch der Vorwurf sitzt immer noch tief: Lahl, Demokrat von der Sohle bis zum etwas schütteren und in Ehren ergrauten Scheitel, hat sich im vorigen Jahr, als es um die Kandidatenkür für das Landratsamt ging, vom CDU-Kreisvorstand anhören müssen, der Fraktionsspitze im Kreistag – und damit auch ihm – mangele es an Demokratieverständnis. „Das war ungeheuerlich“, sagt Lahl. „Mangelndes Demokratieverständnis“ habe er in all den Jahren selbst im größten Streit nicht einmal dem politischen Gegner vorgeworfen.

Lahl, tief verletzt und in seiner Ehre gekränkt, wollte den Vorwurf umgehend vom Parteigericht geklärt wissen. Doch bis zur Kommunalwahl tat sich überhaupt nichts. Also tat Herbert Lahl nun etwas: Er trat nach 40 Jahren Parteizugehörigkeit aus der CDU aus. Vor kurzem hat er sein Parteibuch mit der Austrittserklärung an den CDU-Stadtverband Schortens geschickt (die NWZ  berichtete). Das Parteigerichtsverfahren will er dennoch abgeschlossen wissen.

Heimatstadt gestalten

Trotz allem: „Auch nach dem Ausscheiden aus der friesländischen Kommunalpolitik und dem Parteiaustritt bleibe ich ein politisch interessierter Bürger und stehe weiterhin der CDU nahe“, sagt Herbert Lahl. An seiner politischen Grundüberzeugung habe sich schließlich nichts verändert.

Als er vor gut 40 Jahren begann, sich kommunalpolitisch zu engagieren, da tat er das, weil er seine Heimatgemeinde (und heutige Stadt) Schortens, in der er seit 1947 lebt, mitgestalten und etwas verändern wollte. Herbert Lahl sagt bewusst „Heimatgemeinde“, wenn er von Schortens spricht. Lahl stammt gebürtig aus Schlawin in Pommern, was immer wieder zu augenzwinkernden Wortspielen geführt hat. Er sei ein geschickter Verhandler, ein dickköpfiger Überzeugungstäter, nur schwer von einer anderen Meinung zu überzeugen und eben ein Schlawiner im sympathischsten Wortsinn, sagen seine politischen Weggefährten und Widersacher.

In ungezählten Ämtern, Funktionen und Ausschüssen hat Lahl bis vor kurzem mitgewirkt: Zweckverband Ems-Dollart Region, Städte- und Gemeindebund, Gründerzentrum, Zweckverband Abfallwirtschaftszentrum – es ist kaum möglich, lückenlos aufzulisten, wo Lahl überall mitgestaltet hat.

Herbert Lahl, der von 1976 bis 2006 Mitglied des Gemeinde- und später Stadtrats war und noch wenige Tage dem in Auflösung begriffenen alten Kreistag angehört, hat Schortens und den Landkreis Friesland seit den 1970-er Jahren entscheidend mitgestaltet. In Schortens beispielsweise war er einer der Wegbereiter für die Verleihung der Stadtrechte im Jahr 2005 und für die Städtepartnerschaft mit Pieszyce, dem früheren Peterswaldau, in Po­len. Er war unter anderem auch zwölf Jahre lang CDU-Fraktionsvorsitzender und von 1996 bis 2004 Bürgermeister in Schortens.

Für neue B 210 gekämpft

Eine der schwersten und langwierigsten politischen Auseinandersetzungen hatte es seit 1968 um den Bau der neuen B 210 gegeben, erinnert sich Lahl, „Zur Fertigstellung 2013 können wir dann eigentlich auch das 45-jährige Bestehen feiern.“ Ob der Bau des Bürgerhauses und der Stadtbücherei, des Freizeitbades, die Sanierung des Heidmühler Ortskerns oder auf Kreisebene die Entstehung der Abfalldeponie und die Weiterentwicklung zum Abfallwirtschaftszentrum in Wiefels – das alles und vieles mehr trägt auch Lahls Handschrift. Daran überall mitgewirkt zu haben, erfülle ihn mit Freude und auch mit Stolz, sagt Lahl.

Schließlich brachte er einiges an fachlichem Sachverstand mit: Lahl ist gelernter Maurermeister, war später als nautischer Bauaufseher beim Wasser- und Schifffahrtsamt beschäftigt und bis zu seiner Pensionierung 1997 für den Inselschutz von Wangerooge und Minsener Oog zuständig. Auf Wangerooge lernte Lahl in den 50er Jahren seine spätere Frau Ingrid kennen.

Jetzt will Lahl nur noch Privatmann sein, sich mehr um die Familie kümmern und mehr Zeit mit seinen Enkelkindern Felix und Johanna verbringen. „Es gibt auch noch andere Dinge im Leben als die Kommunalpolitik“, sagt Lahl. Gute Ratschläge für seine Nachfolger wolle er sich verkneifen.

Nur das noch: Der gegenwärtige Zustand der friesländischen CDU lasse ihn unruhig schlafen, sagt Lahl. Die Partei habe die Zeichen der Zeit nicht erkannt, der Wähler honoriere keinen Streit. Statt auf dem Weg zu neuen Ufern sei die CDU in Friesland auf dem Weg in die politische Diaspora. Es liege nun an der jungen Generation, dies zu ändern.