FRIESOYTHE - Es hat eine objektive Vorbereitung auf den Urnengang gegeben. Einige Bewohner finden Politik kompliziert und langweilig. Manche entscheiden erst Sonntag.

Von Andrea E.-Rosenbaum

FRIESOYTHE - „Politik ist langweilig und kompliziert“, ist sich der Großteil der Bewohner der Caritas-Außenwohnanlage in Friesoythe einig. So will auch nur die Hälfte der acht Bewohner zur Bundestagswahl am 18. September gehen, wobei sich einer noch nicht ganz sicher ist und ganz spontan entscheiden will. „Ich weiß nicht genau, wofür Wahlen eigentlich gut sind“, erzählt Julia Bredenkötter, „meistens hat man Schwierigkeiten, was man wählt“. Sie war selber schon einmal wählen und will das jetzt wiederholen. „Meine Eltern gehen mit mir wählen und helfen mir bei der Entscheidung“, fügt sie hinzu.

Auch Lars Müller sieht es als seine Pflicht an, sich am 18. September für einen Kanzlerkandidaten zu entscheiden und verfolgt in Zeitungen und Fernsehen interessiert alles was mit der Wahl zu tun hat. So hat er sich auch das TV-Duell angesehen und fühlte sich dadurch in seiner Wahlentscheidung bestätigt. Er hätte es gut gefunden, wenn es ein zweites TV-Duell gegeben hätte. Jan Kruse hat sich dagegen über das Duell amüsiert: „Das ist nur Show, was die da machen, wie in den USA.“ Obwohl er sich wahlmäßig gut auskennt, ist er sich nicht sicher, ob er wählen gehen soll. Seine Interessen liegen mehr beim Sport.

Auch Edith Jantos, gewähltes Mitglied im Heimbeirat und Werkstattrat, will ihr Wahlrecht nicht in Anspruch nehmen. „Politik ist nicht mein Gebiet,“ meint sie. Wie ihre Mitbewohner ist sie der Meinung, dass Politiker sich mehr um die Belange der Behinderten kümmern sollten, damit man dann wählen geht. Viel interessanter sei vielmehr die Wahl zum Heimbeirat, da man bemerke, dass diese einen direkt betrifft. Zusammen mit dem Werkstattrat habe sie aber schon während einer Tagung in Stapelfeld den Leitfaden „Wie man wählt: Bundestagswahl“ durchgenommen, der vom Behindertenbeauftragten des Landes Niedersachsen, Karl Finke, herausgegeben wurde. „Auf jeden Fall verständlich und nicht so ganz kompliziert“, meint sie dazu. Auch haben sich schon einmal Bundestagsabgeordnete mit ihren Kollegen aus dem Werkstattrat getroffen.

Heinz Schröer, Wohnheimleiter der Caritas-Einrichtung, erklärt die Einstellung der Bewohner: „Für Menschen mit geistiger Behinderung ist die Wahl und die Auseinandersetzung mit ihr sehr abstrakt geworden, sie ist nicht greifbar und der unmittelbare Bezug fehlt.“ Aus diesem Grund ist es auch grundsätzlich vorgesehen, die Bundestagswahl in der Werkstatt und in der Freizeit zum Thema zu machen. Es konnten aber in diesem Jahr aufgrund der vorgezogenen Bundestagswahl nicht ausreichende Vorbereitungen getroffen werden. „Das Problem ist, dass je mehr wir als Institution eingreifen, desto mehr beeinflussen wir auch die Bewohner“, meint Heinz Schröer. Und das dürfe nicht passieren, da Wahl eine sehr individuelle und private Entscheidung ist. Aus diesem Grund sei es sehr wichtig, dass die Bewohner mit ihren gesetzlichen Betreuern und Angehörigen wählen gehen. „Wir wollen nur eine objektive Vorbereitung bieten und uns zusammen mit den Bewohnern mit Wahlmaterialien auseinander setzen“, erklärt

Heinz Schröer.