Friesoythe - Eine möglichst gute und umfassende Gesundheitsversorgung ihrer Einwohner sei der Stadt Frie­soythe sehr wichtig und sei ein „ureigenes Interesse von jeder Kommune“, sagte Annegret Brunemund-Rumker, Fachbereichsleiterin der Stadt Friesoythe, auf der Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft, Soziales und Gesundheit. Die Ratsmitglieder trafen sich mit der Vertreterin der Stadtverwaltung am Mittwochabend im Forum des Elisabethhauses in Friesoythe, um über die Gesundheitsversorgung in Friesoythe zu sprechen.

Die CDU/FDP-Fraktion hatte dazu Ende Februar einen Antrag gestellt, die Stadtverwaltung möge ein Konzept zur langfristigen Sicherstellung der Gesundheitsversorgung erstellen. Die Fraktion halte es für wichtig, frühzeitig und nachhaltig zu handeln, denn gerade im ländlichen Raum sei man bereits heute mit Problemen einer unzureichenden Gesundheitsversorgung konfrontiert.

In einem ersten Schritt stellte Brunemund-Rumker den Ist-Zustand in der Kommune dar. „Wir haben im Moment eine gute Versorgung“, sagte sie und präsentierte dazu Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN), die für die Sicherstellung der Ärzteversorgung verantwortlich ist. Demnach gibt es im Bereich Frie­soythe 16 Hausarztstellen, wobei eine derzeit frei ist, aber bereits ein Nachbesetzungsverfahren läuft. Das entspricht nach Angaben der KVN einem Versorgungsgrad von 107,2 Prozent. Das durchschnittliche Alter der Friesoyther Hausärzte beträgt 54,2 Jahre, wobei etwa jeder dritte Mediziner 60 Jahre und älter ist.

Hinzu kommen noch 16 Facharztstellen wie Gynäkologen, HNO-Arzt, Urologe, Orthopäden oder Psychologen. Bei den Fachärzten beträgt der Versorgungsgrad laut KVN 110 Prozent. Die Fachbereichsleiterin machte zudem deutlich, dass durch das Friesoyther Marien-Hospital die gesundheitliche Versorgung derzeit sichergestellt sei.

Soweit die Bestandsaufnahme. In einem nächsten Schritt plant die Stadtverwaltung, die praktizierenden Ärzte zu ihrer weiteren Praxisplanung (zum Beispiel hinsichtlich der Nachbesetzung) zu befragen, sagte Brunemund-Rumker. Außerdem müsse es in dem Konzept darum gehen, inwieweit die Kommune darauf Einfluss nehmen könne, dass sich Ärzte auf dem Land niederlassen würden. Hierzu gebe es bereits Förderprogramme der KVN, und auch der Landkreis Cloppenburg beschäftige sich gerade mit diesem Thema.

Die Stadt Friesoythe könne aber auch selbst etwas unternehmen. So müsse man attraktive Rahmenbedingungen für die Ärzte und deren Familien schaffen. Aber auch finanzielle Unterstützungen wie etwa Stipendien für Nachwuchsmediziner seien denkbar. Und auch die Förderung des Öffentlichen Personennahverkehrs sei ein wichtiger Beitrag, damit die Bürger aus Ortschaften ohne Hausarzt vor Ort medizinische Einrichtungen erreichen können.

„Wir erwarten ein flächendeckendes Konzept mit einem Austausch von Rat, Krankenhaus, Ärzteschaft und Krankenkassen. Wir dürfen nicht warten, bis die Ärzte 70 und älter sind“, machte CDU-Ratsherr Karl-Heinz Krone auf die Notwendigkeit eines Planes aufmerksam.

„Wir sind bereit, Geld in die Hand zu nehmen, um Ärzte zu suchen. Zunächst brauchen wir aber Informationen, was wir als Kommune überhaupt machen dürfen“, sagte Frank Böckmann (CDU). Sein CDU-Ratskollege Bernd Wichmann regte zum Beispiel an, einen Medizinstudenten aus Friesoythe finanziell zu begleiten.

Renate Geuter (SPD) sah ebenfalls Handlungsbedarf. Doch der Stadtverwaltung zu sagen „Macht mal ein Konzept“ reiche da nicht aus, kritisierte sie die CDU/FDP-Fraktion. Solch ein Antrag müsse konkreter formuliert werden. Zudem müsse man schauen, welche Förderkonzepte es schon gebe. Und: „An vielen Stellen haben wir überhaupt keinen Einfluss.“

Carsten Bickschlag
Carsten Bickschlag Redaktion Münsterland (Leitung Cloppenburg/Friesoythe)