FRIESOYTHE - „Der Rücktritt war überfällig. Genau genommen, kommt er sogar zu spät.“ Es sind deutliche Worte, die der ehemalige Universitätsprofessor Dr. Hermann Gelhaus aus Bösel zum Rücktritt von Karl-Theodor zu Guttenberg als Verteidigungsminister findet.

Bei der Plagiatsaffäre handele es sich seiner Auffassung nach um eine „fundamentale Wertefrage“ und nicht etwa um eine politische Sachfrage. Es gehe um Werte, die nicht verletzt werden dürften. Zu Guttenberg sei nicht mehr tragbar. „Er hätte sofort zurücktreten müssen“, sagt Hermann Gelhaus: „Ein Betrugsvorwurf darf nicht ausgesessen werden.“ Karl-Theodor zu Guttenberg habe das Problem unterschätzt, „er hat nicht erkannt, dass es hier um Wahrheit oder Lüge und Betrug geht“.

Kritik übt Gelhaus auch an Kanzlerin Angela Merkel und den politischen Unterstützern zu Guttenbergs: „Amt und Person dürfen in so einer schwerwiegenden Sache nicht getrennt werden. Das ist ein schwerer Einschätzungsfehler.“ Auch die Gutachter, die die Doktorarbeit zu Guttenbergs bearbeitet hätten, sieht der 72-jährige aus Bösel in keinem guten Licht: Abgeschriebene Textpassagen ohne Quellenangaben in diesem Umfang hätten auffallen müssen.

„Die Gutachter stehen viel zu wenig in der Kritik. Einen Betrug in diesem Umfang habe ich nie erlebt“, so Gelhaus, der als Professor an der Universität Trier Sprachwissenschaften gelehrt hat. „Ich mache keine Motivforschung“, sagt Gelhaus, der sich über die Beweggründe von zu Guttenberg keine Meinung bilden will. Aber die eingereichte Doktorarbeit sei ein Betrug an der Öffentlichkeit. Jede Dissertation müsse veröffentlicht und könne von anderen ausgeliehen werden. Fremde Arbeit als die eigene auszugeben, sei auch eine Abwertung der anderen Doktoranden.

Dr. Gustav Schünemann aus Elisabethfehn sieht den Rücktritt des Verteidigungsministers mit gemischten Gefühlen: „Ich bedauere die Entscheidung zu Guttenbergs, da ich ihn für einen fähigen Minister halte.“ Gleichzeitig habe er aber mit seiner Plagiats-Dissertation Tausenden geschadet, die ihre Doktorarbeit schreiben. „Er wird sich seine Entscheidung genau überlegt haben“, sagt der promovierte Mykologe (Pilzkunde).

Ammerland: Viel Verständnis für Guttenberg- Rücktritt

Schärfer ins Gericht geht SPD-Landtagsabgeordnete Renate Geuter aus Markhausen. „Der Rücktritt war längst überfällig. Er hätte sich selbst viel erspart, wenn er diesen Schritt gleich gemacht hätte.“

Die Politikerin wirft dem Bundesminister inkonsequentes Verhalten vor. „Erst hat er alle Schuld von sich gewiesen und dann nach und nach die Anschuldigungen zugegeben. Er muss sich doch klar darüber gewesen sein, dass das nicht schadlos an einem vorbeizieht. Das muss er sich persönlich anlasten.“ Der Rücktritt sei daher eine „sinnvolle Konsequenz“.

Anja Biewald
Anja Biewald Redaktion Oldenburg
Carsten Bickschlag
Carsten Bickschlag Redaktion Münsterland (Leitung Cloppenburg/Friesoythe)