FRIESOYTHE - Dass eine Wahl, bei der schon im Vorfeld die Mehrheitsverhältnisse klar schienen, doch noch zur Hängepartie werden würde, hat im Nordkreis eine Diskussion entfacht. Aufmerksam haben viele Bürger fern ab vom politischen Zentrum den mehr als holprigen Weg des ehemaligen Landesvaters Christian Wulff in das Amt des Bundespräsidenten verfolgt.
„Mit diesem Wahlmarathon habe ich nicht gerechnet“, bringt es Hartmut Frerichs, Präsident des Heimatbundes Oldenburger Münsterland, auf den Punkt. Zwar habe sich sein Wunschkandidat wie erwartet durchgesetzt, aber „erschrocken“ zeigt sich Frerichs über die vielen Abweichler aus den eigenen Reihen, die Wulff zunächst die Stimme verweigert haben. Hartmut Frerichs wertet den Verlauf der Wahl daher als „Warnsignal an die Koalition aus CDU und FDP, sich zusammenzuraufen“ und Politik in Zukunft nachhaltiger zu gestalten.
Parteiinterne Querelen
Pfarrer Ulrich Bahlmann von der St.-Marien-Kirchengemeinde in Friesoythe ist ebenfalls nicht glücklich darüber, wie die ganze Wahlprozedur vonstatten ging: „Ich frage mich, ob nicht auch das Amt des Bundespräsidenten Schaden genommen hat. Wenn auf dieser Ebene parteiinterne Querelen ausgetragen und Kritik an der Bundesregierung geäußert werden sollten, so ist das der falsche Ort dafür.“
Eine Meinung, der sich der Scharreler SPD-Ortsvereinsvorsitzende, Karl-Peter Schramm, anschließt. Nicht Wulff sondern Angela Merkel habe man treffen wollen: „40 Abweichler – das ist eine Abreibung für Frau Merkel.“ Verständnislos reagierte Schramm auf die Entscheidung der Linken, im dritten Wahlgang nicht für Gauck zu votieren: „Sie haben die Chance verpasst, sich staatstragend zu verhalten.“ Dazu Ursula Kleymann von der DJK Bösel: „Die Linken haben ihr wahres Gesicht gezeigt.“ Allerdings räumt sie ein, dass der Verlauf der Wahl nicht gerade ein gutes Bild auf die Bundesversammlung werfe. Dennoch freut sie sich, dass Christian Wulff das Rennen gemacht hat. „Er ist zuverlässig und sehr überzeugend.“
Dass es zwischenzeitlich doch noch mal eng für ihn wurde, sei der Verdienst des Gegenkandidaten von SPD und Grünen gewesen. „Wer findet Joachim Gauck nicht sympathisch?“, fragt die Barßeler CDU-Fraktionsvorsitzende Agnes Lamping. Sicherlich sei nicht alles rund gelaufen für die CDU/FDP-Koalition. „Die Abweichler haben sich vielleicht zu sehr auf die eigenen Parteifreunde verlassen“, meint Lamping.
Zwei ideale Kandidaten
Doch neben allen kritischen Stimmen gibt es auch versöhnliche Worte. „Beide Kandidaten – Wulff und Herausforderer Gauck – waren auf ihre Weise ideale Kandidaten“, sagt Bahlmann. Auch Karl-Peter Schramm glaubt, dass Christian Wulff die Bundesrepublik würdig vertreten werde. Ein Aber, so Schramm, bleibe: „Ich hoffe, dass er sich aus den Parteizwängen befreien kann.“
