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Spurensuche Wulff ist als Shanty-Sänger ohne Tadel

Heinz-Josef Laing

FRIESOYTHE - Bundespräsident Christian Wulff ist seit Jahren Mitglied im Shanty-Chor Barßel. Dort trägt das nach Kredit- und Medienaffäre zunehmend umstrittene Staatsoberhaupt sogar den Titel „Ehrenmitglied“. Bei Gerd Sandstede (82) steht der CDU-Politiker weiterhin hoch im Kurs: „Ich verstehe gar nicht, warum da so ein Wirbel gemacht wird,“ sagt der Ehrenvorsitzende des Chores.

Nicht freigesprochen

Sandstede ist mit Wulff während dessen Amtszeit als Ministerpräsident mehrfach zusammengetroffen. So auch am 21. August 2007. Damals hatte die CDU zum Auftakt ihres Landtagswahlkampfes auf das Gelände des C-Port eingeladen. Vor 300 Gästen sang der Barßeler Shanty-Chor. Als Chormitglied reihte sich Wulff in die Reihen der Sänger ein und gab eine Kostprobe seines Könnens.

Eineinhalb Jahre zuvor, Februar 2006: Christian Wulff löst ein altes Versprechen ein und empfängt den Böseler CDU-Ratsherrn Ludger Beeken (55) in Hannover. Beeken erinnert sich an ein Treffen mit einem „lockeren und sympathischen Menschen“. Der Böseler: „Er hat sich in seinem Fernsehinterview aber nicht so richtig freigesprochen. Er hätte da reinen Tisch machen müssen, dann wäre er glaubwürdiger geblieben.“

An den Besuch von Christian Wulff zweieinhalb Jahre später in der Jugendwerkstatt „Sozialer Briefkasten“ in Friesoythe erinnert sich Iris Schulze (56). Damals habe Wulff ein Papier mit dringenden Wünschen in Empfang genommen. Leiterin Iris Schulze rückblickend: „Er präsentierte sich jovial.“ Doch dieser Eindruck ist mit einer Enttäuschung verbunden: „Wir haben auf unsere Wunschliste keine verwertbare Antwort von Herrn Wulff bekommen.“

Der 14. September 2008 war ein Tag, den Christian Wulff zu einem großen Teil in Friesoythe verbracht hat. Damals feierte die Stadt ihr 700-jähriges Bestehen mit einer Gala. Festredner im Forum war Wulff. Er kam ins Rathaus und trug sich dort in das Gästebuch ein.

Unglücklich agiert

Wulff habe immer ein offenes Ohr für die Anliegen Friesoythes gehabt, weiß Bürgermeister Johann Wimberg: „Die Angelegenheit Wulff ist längst auch zu einer Medienaffäre geworden. Mich stören die vielen Moralapostel und Scheinheiligen in manchen Zeitungen und Talk-Shows dieser Tage.“ Dieser 14. September war auch der Tag von Wolfgang Oltmanns (42). Der Rettungssanitäter und Notfallseelsorger des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) aus Friesoythe wurde am „Tag der Ehrenamtlichen“ in Emden von Christian Wulff ausgezeichnet. Oltmanns bedauert, dass der Bundespräsident heute „etwas unglücklich agiert“. Damit stelle er sich selbst ins Abseits.

„Iek bän aan Seelter“. Mit diesem Zugeständnis auf Saterfriesisch hatte Christian Wulff die Sympathien auf seiner Seite, als er am 24. Juni 2011 auf Einladung des Heimatvereins „Seelter Buund“ in Scharrel empfangen wurde. Mit dabei war auch Karl-Peter Schramm (63). Der SPD-Kommunalpolitiker ist Vorsitzender des Europäischen Büros für Sprachminderheiten. In der aktuellen Affäre trage er nicht sehr viel zur Aufklärung bei, kritisiert Schramm. Wulff hätte ein besseres Krisenmanagement benötigt.

Emotionale Regung

Auch Peter Waskönig, Seniorchef des Kabelwerks Waskönig und Walter in Ramsloh, hat Wulff wiederholt erlebt. Er sagt jetzt: „Ich denke, er hat sich aus rechtlicher Sicht nichts zu Schulden kommen lassen. Als Bundespräsident hat er sich einwandfrei verhalten. Der einzige Knackpunkt ist, dass er die Presse unter Druck gesetzt hat. Eine solche emotionale Regung hätte er nicht zulassen dürfen.“

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