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NWZonline.de Nachrichten Politik

Frontalangriff auf Merkel

26.06.2017
NWZonline.de NWZonline 2017-06-26T05:07:22Z 280 158

Parteitag:
Frontalangriff auf Merkel

Dortmund Noch einmal Jubel auf der großen Bühne in der Westfalenhalle. Als zum Abschluss das traditionelle Arbeiterlied „Wann wir schreiten Seit’ an Seit’“ angestimmt wird, diesmal von einer Rockband, wirkt Martin Schulz wie befreit. Gerade hat der SPD-Parteitag das Wahlprogramm beschlossen – einstimmig. Der Kandidat singt aus voller Kehle mit, die Genossen fassen sich an den Händen.

Schulz Botschaft: Die SPD ist wieder da, Seit’ an Seit’, demonstriert Geschlossenheit. „Du hast alles, was man für dieses Amt braucht“, adelt ihn Altkanzler Gerhard Schröder, erntet donnernden Applaus. „Wir stehen nach wie vor hundert Prozent hinter Martin Schulz“, ruft Partei-Vize Manuela Schwesig in die Arena.

Der Herausforderer schaltet auf Frontalangriff. Merkel und die Union würden sich der Debatte über die Zukunft „systematisch verweigern“, die Wähler so von den Wahlurnen fernhalten, ruft er. „In Berliner Kreisen nennt man das asymmetrische Demobilisierung. Ich nenne es einen Anschlag auf die Demokratie!“ 80 Minuten redet der Kandidat, die Bühne mit moderner Optik. Am Ende gibt es fast zehn Minuten Standing Ovations, der SPD-Chef streckt beide Daumen in die Höhe.

Schulz spricht vor einer Wand mit dem neuen SPD-Blau. Der Farbe, der eine beruhigende Wirkung nachgesagt wird. „Man ist das heiß hier“, stellt er zur Hälfte fest, zieht sich das Sakko aus, legt die großen Linien seiner Politik da: Zukunft der Wirtschaft, Gerechtigkeit, Europa, Frieden. Eine solide Rede, aber weitgehend frei von Überraschungen. Bei der Gleichstellung Homosexueller legt sich Schulz fest: „Ich werde keinen Koalitionsvertrag unterschreiben, in dem die Ehe für alle nicht verankert ist.“

Noch größer fällt der Jubel aus, als Schulz eine Botschaft in die Türkei sendet, wo auch deutsche Journalisten hinter Gittern sind: „Hier aus Dortmund rufe ich Ihnen zu, Herr Erdogan: Geben Sie diese Leute frei und wenn möglich noch heute.“ Begeisterung auf den Rängen, „Martin! Martin!“-Rufe.

CSU-Chef Horst Seehofer und Kanzlerin Merkel wirft Schulz vor, im Bierzelt in München einen „Versöhnungsgipfel der Heuchelei“ zelebriert zu haben, und erklärt: „Wer Merkel wählt, bekommt Horst Seehofer.“ Auch die Bierzelt-Kritik der Kanzlerin an Donald Trump, unter ihm sei die Zeit der Verlässlichkeit ein Stück weit vorbei, bürstet er ab. „Wie groß ist das Stück eigentlich? Wie unkonkret darf es denn bitte sein?“

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