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NWZonline.de Nachrichten Politik

„happy Days Are Back Again“: Für Obama sind die schlimmen Zeiten vorbei

22.01.2015

Washington Die Rede zur Lage der Nation ist eine feierliche Angelegenheit. Beide Kongresskammern sind versammelt, fast alle Minister sind da, die Herren in dunklen Anzügen, von der Empore schauen die First Lady samt handverlesener Gäste zu. Dann eine gebieterische Stimme: „The President of the United States“. Der König tritt ein. Ein bisschen Pomp, ein Stück gute, alte, heile Welt - Amerikaner lieben das.

Obama braucht an diesem Dienstagabend nur kurze Zeit, um sich warm zu reden. Erst ein Blick zurück auf die schlimmen Zeiten, auf die Wirtschaftskrise, auf die Kriege im Irak und Afghanistan. Die Botschaft ist einfach und klar: Seht her, wir haben es hinter uns. Sechs lange Jahre hat es gedauert, doch jetzt sind wir soweit.

Vollmundig und selbstbewusst spricht Obama an diesem Abend. „Der Schatten der Krise liegt hinter uns“, heißt der eine Schlüsselsatz. Der andere lautet: „Aber heute Nacht schlagen wir eine neue Seite auf.“ Das klingt ganz nach dem Slogan, mit dem einst Franklin D. Roosevelt den Amerikanern Mut zusprach. „Happy days are back again.“

Er ist älter geworden in seinen sechs Jahren im Weißen Haus, das Haar ergraut, die Gesichtszüge sind straffer, der jugendliche Charme ist längst verflogen. Kein Zweifel: Obama hat bisher keine einfache Amtszeit gehabt. Er hat die Weltfinanzkrise 2008 nicht verantwortet, doch er hat lange darunter gelitten. Auch unter den Kriegen im Irak und Afghanistan hat er gelitten. Sechs lange Jahre musste er die Kriege abwickeln, die Folgen der Wirtschaftskrise bekämpfen.

Im Klartext: Das schwere Erbe der Krise hat ihm seine Amtszeit verhagelt. „Wir verändern Amerika und die Welt“, hatte er noch im Wahlkampf 2008 verkündet. Doch es kam anders. Jetzt, da die Wirtschaft brummt, die Arbeitslosigkeit sinkt und der Dollar steigt, will er die Ernte einfahren.

Geradezu demonstrativ selbstbewusst gibt sich Obama an diesem Abend. „Amerika ist heute bei Öl und Gas Nummer eins.“ Auch einen Seitenhieb auf Europa kann er sich nicht verkneifen. „Seit 2010 hat Amerika mehr Menschen zurück in die Arbeit gebracht als Europa, Japan und alle entwickelten Volkswirtschaften zusammen.“ Lange Zeit haben Europäer Obama kritisiert, jetzt ist Europa der kranke Mann.

Selbst der Terrorismus, die Ukrainekrise und Wladimir Putin können ihm an diesem Abend nicht die Stimmung verderben. Europa ächzt unter Terror und Terrorangst, in der Ostukraine brennt es wieder lichterloh - doch der Chef der Weltmacht Nummer eins geht eher im Vorbeigehen darauf ein.

Unangenehmes und Missliches ausblenden war immer schon eine Stärke Obamas. Zwei Monate ist es her, dass ihm die Republikaner eine krachende Niederlage bei den Kongresswahlen zugefügt hatten - mit keinem Wort erwähnt er das an diesem Abend. Schon jetzt drohen die Republikaner, ihm jede Menge Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Doch Obama kontert kühl. Er weiß, dass er mit seinem Vetorecht noch einen Trumpf im Ärmel hat, den ihm niemand nehmen kann.

Zwei Jahre hat Obama noch im Weißen Haus. Das Klein-Klein des Parteiengezanks war ihm stets zuwider. Es scheint, als wolle er sich jetzt noch stärker raushalten. Zwar schlägt er höhere Steuern für die Reichen vor, bezahlte Krankentage, kostenloses Studium an Volkshochschulen. Doch ob dies tatsächlich Realität wird, scheint eher zweitrangig.

Im Kern ist es eher eine Wahlrede, die er hält. Vermutlich schon im Sommer wird der Vorwahlkampf ausbrechen, spätestens im Herbst. Es gehe ihm jetzt darum, die Konturen des Wahlkampfes zu beeinflussen, solange er das noch kann, meint die „New York Times“.

Und es geht ihm um sein Vermächtnis. Obama - der Mann der Amerika durch das Tal der Tränen führte. Und zu neuen Höhen. So stellt er sich sein Bild in der Geschichte vor. Beinahe schon abgehoben wirkt der 53-jährige Präsident. Und selbstbewusst: „Ich habe keinen Wahlkampf mehr zu führen.“ Dann lächelt er genüsslich. Und fügt hinzu: „Ich habe beide gewonnen“

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