Neerstedt/Dötlingen - Vom Flüchtling zum Ein-Euro-Jobber und nun zur Vollzeitstelle in der Flüchtlingshilfe im Sozialamt Neerstedt: Adam Tirnna ist ein Paradebeispiel der gelungenen Integration.
Mit 17 Jahren floh er aus seiner Heimat, dem Sudan, nach Deutschland. In Köln angekommen, blieb er für acht Jahre in der Millionenstadt in Nordrhein-Westfalen. „Von dort wurde ich nach Dortmund, Braunschweig und schließlich nach Brettorf geschickt“, erzählt Tirnna.
Elke Brunotte, Sozial- und Ordnungsamtsleiterin, erinnert sich noch gut an ihre erste Begegnung mit dem neuen Kollegen. „Wir erwarteten am 14. Januar 2014 einen Bus mit mehreren Sudanesen, die in der Gemeinde aufgenommen werden sollten“, erinnert Brunotte. „Wir waren darauf vorbereitet, uns mit gebrochenem Englisch verständigen zu müssen“, ergänzt Sozialamtsmitarbeiter Timo Nesemann. Um so überraschender waren dann die guten Deutschkenntnisse von Tirnna.
„Ich habe bereits in Köln unentgeltlich gearbeitet und ins Arabische übersetzt, das hat mir sehr geholfen, Deutsch zu lernen“, erzählt der 27-Jährige.
Seine Sprachkompetenz war nun auch in seiner neuen Heimat Dötlingen gefragt. Zunächst ehrenamtlich, seit Beginn 2015 als Ein-Euro-Jobber, half Tirnna der Gemeinde bei der Flüchtlingsarbeit. Seit Januar dieses Jahres ist er Vollzeit im Sozialamt Dötlingen für die Flüchtlingsarbeit eingestellt.
„Wir können gar nicht mehr ohne Adam. Er ist für unsere Arbeit eine wahre Erleichterung“, meint Brunotte. Ob es um Arztbesuche, die Erstorientierung oder um Behördengänge geht – der 27-Jährige steht den Flüchtlingen mit Rat und Tat zur Seite. „Mir geht es aber nicht nur darum, den Schutzsuchenden Sprachkurse zu vermitteln oder ihnen zu erklären, welche Telefonnummer sie zu wählen haben, wenn sie einen Notarzt brauchen. Es ist genauso wichtig, ihnen klar zu machen, dass es hier auch Regeln und Pflichten gibt. Vieles kennen die Flüchtlinge einfach nicht“, sagt Tirnna. Nicht nur für die Neuankömmlinge ist er Ansprechpartner, auch für die Flüchtlingspaten hat er ein offenes Ohr.
Gerade hat er einen Kursus der Diakonie zum Thema interkulturelle Kompetenz absolviert. Sein nächstes Ziel ist der Führerschein. „Damit ich ohne Bus flexibel bin.“
Bisher waren seine Sprechzeiten gut besucht. Dienstags 14 bis 16 Uhr und donnerstags 8 bis 12 Uhr ist seine Tür im Rathaus Neerstedt für Flüchtlinge und Interessenten der Flüchtlingsarbeit geöffnet.
