GANDERKESEE - Irgendwann mochte Rolf Kruse nicht mehr tatenlos bleiben. So oft war da in Nachrichten von der Neo-Nazi-Szene zu hören. Doch das Terrorregime der Nationalsozialisten, so mahnt der 81-jährige, „darf nicht wiederkommen“. Weil es zum Verstehen von Geschichte der Berichte derjenigen bedürfe, „die all dies miterlebten“, begann er im Juli 2008, die eigene Lebensgeschichte aufzuschreiben – „damit zukünftige Generationen die Möglichkeit haben, aus unseren Fehlern zu lernen und gleichzeitig von unserem Wissen zu profitieren.“

Fünf Monate brauchte der Ganderkeseer, mittlerweile liegt ein 68-seitiges Werk druckfrisch auf dem Tisch. Wie er es schaffte, Vergangenes so detailliert aufzuschreiben? Teils, so berichtet Kruse, habe er sich auf Einträge in Ausweisen beziehen können. Und: „Manche Erlebnisse brennen sich ein.“ Gräueltaten zum Beispiel „vergisst man nicht“.

Kruses Biografie nimmt zunächst mit in eine Kindheit in Hude, „eigentlich der ideale Platz, um aufzuwachsen“. Als Kind habe er „nur Unsinn im Kopf“ gehabt, findet er heute – und erzählt von Streichen mit leeren Bierflaschen, mit Korken und Dynamit.

Ehrlich schildert Kruse, wie er als Kind „nur zu gerne den Verlockungen der Hitlerjugend erlag“, weil er an Zeltlagern teilnehmen wollte, oder wie er mit 17 Mitglied der Waffen-SS wurde und sich selbst dabei naiv als „Ritter der Moderne“ erträumte.

Ungeschönt berichtet der 81-Jährige auch, was folgte: Wie er das zerbombte Dresden erlebte („das wirklich Schauderliche war der Geruch“), wie er an der Front zum Erfüllungsgehilfen wurde, welche Wirkung auf ihn die Bilder vom erschossenen KZ-Häftling oder von strangulierten Deserteuren hatten, wie der Hunger um ihn herum zum Morden führte. „Was ich erlebt habe, möge meinen Kindern und Enkeln erspart bleiben!“

Nach dem Krieg beendete Kruse die vor dem Krieg begonnene kaufmännische Lehre. 1956 ging er zur Bundeswehr. Warum ausgerechnet dorthin? „Ich wollte eigentlich immer Soldat werden.“ Nebenberuflich engagierte er sich insbesondere im Sport.

Die Biografie ist nicht im Handel erhältlich, die in geringer Anzahl gedruckten Exemplare hat Rolf Kruse gezielt vergeben. Das Buch sei denjenigen als Dank gewidmet, „die damals an meiner Seite waren“ und von denen einige ihr Leben verloren.