GANDERKESEE - Er war dabei – und hat dazu auch noch etwas zu sagen: Rolf Stiening gehörte in Ganderkesee zu den „Jungen Wilden“, die im Zuge der gesellschaftlichen Umbrüche nach 1968 Anfang der 70er Jahre in die Politik drängten und dort für frischen Wind und manche Irritationen sorgten. In dem Bericht „Die ,jungen Wilden‘ kamen erst später“ über die damalige Entwicklung in Ganderkesee (NWZ vom 25. Oktober) war Stiening neben Heide Beier und Gerd Hutfilter als Vertreter dieser neuen, aufbegehrenden Generation abgebildet worden.

„Wir drei waren damals nicht allein das Aushängeschild der Jusos“, ergänzt Stiening in einem Schreiben an die Redaktion. Zum „harten Kern dieser produktiven ,Wilden‘“ gehörten nach seinen Angaben auch Peter Groß und Gerold Brinkmann aus Bookholzberg sowie Magdalena Achenbach und Hermann Speckmann aus Ganderkesee. „Wir alle waren im besten Sinne die ,jungen Wilden‘ der ersten Stunde in der Gemeinde“.

Auch der jetzige SPD-Fraktionschef Hans Mestemacher, der in dem Bericht zitiert wird, habe vom Alter her zu der Jugendorganisation gehört, sei aber nach seiner Ansicht damals „zu sehr auf Anpassung und Ausgleich gebürstet“ gewesen. Gleichwohl weiß auch Stiening: „Mandatsposten in der Partei und im Rat konnte man als ,junger Wilder‘ nur schwerlich ohne Hausmacht erreichen.“

An die vom damaligen Fraktionsvorsitzenden Adolf Meyer schmunzelnd erwähnten Sitzungen, die „von sechs Uhr abends bis drei Uhr in der Früh’ dauerten“, erinnert sich Rolf Stiening ebenfalls. Allerdings sei „so manchen das Schmunzeln vergangen“, berichtet er, „als Fraktionssitzungen parteiöffentlich wurden.“ Demokratie habe für „manche Altvorderen damals ,neu erfunden‘ werden müssen“ – auch Adolf Meyer, so Stiening, sei „für unsere Aktionen und Ideen unser Antipode“ gewesen und habe viele Anträge der „jungen Wilden“ nicht mittragen können. „Und doch haben wir einiges mit Hilfe der Parteigremien durchsetzen können – auch gegen die Vorstellungen von Adolf Meyer.“