Ganderkesee - Verbleibt die Steuerung der ehrenamtlichen Arbeit in Ganderkesee in Händen der Verwaltung? Keine zwei Wochen vor der Verabschiedung von Christa Wachtendorf, langjährige Koordinatorin des bei der Gemeinde ansässigen Freiwilligenforums „Mach mit“, bleibt die Nachfolgeregelung ungeklärt. Noch immer steht nicht fest, ob die Aufgabenfelder von „Mach mit“ an die Freiwilligenagentur „Misch mit!“, einen Wildeshauser Verein, übertragen werden.

Auf Bitten des Landkreises, das hat Landrat Carstens Harings am vergangenen Dienstag im Struktur- und Wirtschaftsausschuss des Kreistags erklärt, hat die Freiwilligenagentur „Misch mit!“ bereits ein Konzept zur Einrichtung einer kreisweit tätigen Beratungsstelle für Ehrenamtliche ausgearbeitet. Ein Teil der Ganderkeseer Seniorenbegleiter, Wohnberater, Lesepaten und Bürgerautolenker hat die Sorge, künftig keinen ständigen Ansprechpartner mehr vor Ort zu haben, bereits im vergangenen Sozialausschuss deutlich geäußert und dabei sogar mit dem Aufhören gedroht.

Schon jetzt arbeitet die Freiwilligenagentur mit Einrichtungen in Wildeshausen, Hatten, Dötlingen, Großenkneten und in Harpstedt zusammen.

Über mangelnde Aufklärung in der Sache klagen die Ganderkeseer Rats-Fraktionen: „Das ,Misch-mit-Modell’ ist uns noch nicht vorgestellt worden“, sagte SPD Fraktionschef Werner Brakmann. Dass die Arbeit unbedingt vor Ort fortgesetzt werden müsse, hat die SPD bereits in einem von den Ratsleuten Doris Josquin und Ulf Moritz formulierten Antrag verdeutlicht, eine Übertragung an den Landkreis wird entschieden abgelehnt.

„Ergebnisoffen“ gibt sich die CDU laut Fraktionschef Ralf Wessel. „Noch fehlen uns jegliche Informationen, wir müssen die finanziellen Aspekte und die Möglichkeiten von „Misch mit“ gegenüber denen der Verwaltung abwägen“, sagte er. Die Freiwilligenagentur könne möglicherweise ein größeres Netzwerk und Personal haben, im Ort müsse es aber Ansprechpartner geben.

„Ich kann mir sehr schwer vorstellen, dass die Ehrenamtlichen zu „Misch mit!“ überwechseln wollen“, schätzt Marion Daniel (FDP). Sie hofft, dass „Misch mit!“ sich endlich in Ganderkesee vorstellt, um die Angebote prüfen zu können. Eines hat für sie Priorität: „Es läuft bestens in Ganderkesee, wir dürfen die Ehrenamtlichen nicht vor den Kopf stoßen. Es muss gewährleistet sein, dass es einen Ansprechpartner vor Ort gibt.“ Auch sei nichts übers Knie zu brechen. „Die für die Ehrenamtsverwaltung nötigen Mittel sind in den Haushalt 2020 eingestellt“, erläuterte sie. Sollte die Koordination bei der Gemeinde bleiben, müsste der Kreis Fördergelder bereit stellen. „Aus Gründen der Gleichbehandlung erwarten wir das“, so Daniel, nachdem der Landrat eine Anschubfinanzierung von 50 000 Euro pro Jahr für eine kreisweit tätige Beratungsstelle für Ehrenamtliche angekündigt hat.

„Die Arbeit in Ganderkesee ist erste Wahl“, positioniert sich Carsten Jesußek (UWG) klar für den Verbleib der Ehrenamtskoordination bei der Gemeinde.

Auch für Susanne Steffgen (Die Linke) kommt nichts anderes in Frage. „Allein schon wegen der Bürgernähe, und weil Menschen mit Behinderungen möglicherweise bis nach Wildeshausen fahren müssten“, sagt sie.

Für Arnold Hansen muss erst geprüft werden, wie die Erfahrungen mit „Misch mit!“ sind. Er fordert: „Wir brauchen die Erreichbarkeit in der Nähe.“

Aus dem Rathaus gab es am Freitag nur eine knappe Stellungnahme: „Die Gemeindeverwaltung bemüht sich um eine für alle zufriedenstellende Lösung zur Weiterführung der Ehrenamtlichenarbeit. Sobald es konkrete Ergebnisse gibt, werden die direkt Beteiligten, die zuständigen Ausschüsse und schließlich auch die Öffentlichkeit darüber informiert“, hieß es.

Thorsten Konkel
Thorsten Konkel Redaktion Ganderkesee